Adiós, Bolivia!

28Juni2015

Hola amigos,

wie neulich angekündigt rückt meine Heimreise immer näher und Pia und ich haben La Paz bereits verlassen und uns nun auf die Suche nach dem richtigen Heimweg begeben!

Wie ihr sehen könnt, ist Pias Lama leider nocht nicht so ganz motiviert wie meins, weshalb sie etwas später eintreffen wird^^

Jedenfalls möchte ich an dieser Stelle allen bekannten und unbekannten Lesern noch einmal herzlich für die Begleitung und lieben Kommentare aus der Ferne danken. Ich habe mich immer gefreut, von euch zu hören, und freue mich sogar noch mehr, euch endlich allen persönlich von meinen Berichten zu erzählen.

Bis dahin gebe ich meinem Lama die Sporen!

Alemania, ya vengo! :)

Eure Julia

 

Machu Picchu

24Juni2015

Hallo ihr Lieben!

Schon sehr bald steht meine Heimreise an und diese möchte ich nicht antreten, ohne euch noch von einem meiner persönlichen Höhepunkte in diesem Jahr berichtet zu haben.

Wie die meisten von euch sicherlich wissen, hat mich mein Vater Anfang Mai für zwei Wochen besucht. Natürlich gab es für ihn auch ein Pflichtprogramm, wie den Besuch meiner Arbeitsstelle, meine Lieblingsorte hier in La Paz besichtigen, typisches Essen kosten etc. Aber all das stand erst in der zweiten Hälfte an, denn die erste Woche verbrachten wir nämlich nicht in Bolivien, sondern in Peru!

Schon zwei Tage nach der Ankunft meines Vaters ging es mit der Flota (Reisebus) Richtung Cusco. Zufälligerweise stimmten die Reisepläne von Pia und mir wieder einmal überein, sodass wir alle gemeinsam nach einer recht ruhigen Fahrt morgens um 6.00 Uhr in der berühmten Andenstadt eintrafen. Der Grenzübergang war für meine Reiseerfahrung, die lediglich aus Europa herrührt, eher ungewohnt: Statt einfach bequem durch eine Kontrolle gewunken zu werden, mussten alle Businsassen kurz vor der Grenze auf der bolivianischen Seite aussteigen, dort eine Menge Papierkram ausfüllen und Stempel einsammeln, bevor man dann nach Peru LAUFEN musste (okay, höchstens 200 Meter, aber hey! Ich kann sagen, dass ich nach Peru GELAUFEN bin :D ), um dort erneut einige Formulare und Stempel aufgedrückt zu bekommen. Zum Glück war aber alles problemlos verlaufen und wir konnten unser Gepäck nach der Ankunft in einem Hostel in der Innenstadt unterstellen, welches Pias Eltern im Vorfeld ausfindig gemacht hatten. Nach einem gemütlichen Frühstück erkundeten Michael und ich die Stadt, während Pia sich mit einer Freundin und ihrer Familie traf.

Am nächsten Morgen trennten sich dann unsere Wege: Pia blieb mit ihrer liebenswerten Familie noch einen Tag länger in Cusco, während Michael und ich schon morgens an unserem Hostel abgeholt wurden, um unsere viertägige Tour zum Machu Picchu zu starten, die aus Fahrrad fahren am ersten Tag und wandern an den darauffolgenden bestand.

Die Natur war, wie schon gefühlt hunderte Male erwähnt, wieder einmal unglaublich beeindruckend. Im Folgenden zeige ich euch nun Bilder von der Tour, allerdings hauptsächlich vom letzten Tag, an dem wir schon um 5.00 Uhr morgens den ca. 1 1/2-stündigen Aufstieg zu den alten Inka-Ruinen beginnen mussten.

Was ich die letzte Woche mit meinem Vater erlebt habe, erzähle ich euch persönlich, wenn ich wieder da bin:)

 

Cusco von oben Lamas :) Die Reisegruppe Eine Frucht, deren stark abfärbender, orangener Saft im Inneren früher zur Gesichtsbemalung benutzt wurde Unser Guide Äffchen *__* Mittagspause unter einen Weihnachtssternbaum! Kurze Pause Ein Teil des Weges führte an den Gleisen entlang Erster Blick auf die Ruinen Bis heute weiß man nicht genau, wie die alten Inkas diese Steine so passgenau und schön in Form brachten, da sie angeblich keinen Meißel kannten... Die Kontraste waren wirklich so stark durch die Wolken und die Sonneneinstrahlung, das Bild ist nicht schwarz-weiß fotografiert worden... Angeblich kann man hier einen Kondorskulptur erkennen Treppen zum Machu Picchu-Mountain Geschafft :) Die Ruinen von oben Das letzte Foto, bevor es wieder an den Abstieg ging

 

Ich hoffe, euch gefallen die Bilder :)

Auf ein sehr baldiges Wiedersehen!

Eure Julia

Jetzt wird's ernst! #2

20Mai2015

Hallo ihr Lieben!

Erst einmal ein riiiiiiiiiiesiges Dankeschön an all die treuen Leser, die trotz meiner unregelmäßigen Berichte immer wieder hierher finden und manchmal sogar Kommentare hinterlassen, die mich immer sehr erfreuen! :)

Nachdem ich größtenteils nur von meinen Urlauben und Alltagserlebnissen erzählt habe, möchte ich nun zur Abwechslung die begonnene Erzählung meiner (mittlerweile ehemaligen) Arbeitsstelle zu Ende bringen.

Wie ihr euch hoffentlich erinnern könnt, beschrieb ich den groben Aufbau und einzelne Eigenheiten der Station des Kinderkrankenhauses und wollte im jetzigen Bericht auf die Arbeit eingehen.

Da ich aber keine ausgebildete Fachkraft bin, bestand diese mehr aus kleinen Hilfstätigkeiten, wie dem Anreichen von Arbeitsmaterial oder der Vorbereitung und gelegentlichen Kontrolle von Infusionen; in dieser Hinsicht ist die Geschichte schnell zu Ende. Allerdings war es immer wieder interessant und manchmal sogar erschreckend, wie vor Ort gearbeitet wird:

- Zugänge werden ohne Handschuhe gelegt; das dafür notwendige Stauband ist nicht vorhanden und wird schlicht durch einen der raren Latexhandschuhe ersetzt

- um die Zugänge sicher an den Kinderhänden zu fixieren, werden ausgeschnittene Pappstücke mit Mullbinde umwickelt und so an den Fingerchen festgeklebt

- nicht existente Urinflaschen werden aus alten Infusionsbehältern gebastelt (einmal wurde so eine abgeschnittene Infusionsflasche von einer Krankenschwester sogar kurzfristig zum Trinkbecher zweckentfremdet; das war dann aber WIRKLICH merkwürdig :D )

- das Blut bei der Blutabnahme (die Spritze muss natürlich selbst mitgebracht werden) wird in einer alten, gereinigten Penicillinglasampulle aufgefangen

- etc.

Diese Liste könnte ich gut und gerne dreimal so lang machen, aber ich denke, meine Aussage wird mehr oder weniger deutlich: Was nicht passt, wird passend gemacht; was nicht vorhanden ist, wird irgendwie improvisiert. Und wenn ich ganz ehrlich bin: Bis auf die handschuhlose Arbeit ist es total akzeptabel. Genau wie die nicht 100%ig funktionsfähigen Infusionsständer ist es (meist) nichts, was man aus Deutschland gewohnt ist, aber trotzdem geht alles irgendwie und erfüllt seinen Zweck. Und solange die Hygienestandards eingehalten werden (würden; ist leider nicht immer der Fall), ist doch alles in Ordnung! Über die Wiederverwendung der alten Penicillinglasampullen bin ich sogar aufrichtig begeistert, das ist Recycling vom Feinsten! Es muss also nicht alles extra für einen einzigen Verwendungszweck aufwendig produziert und dann noch teuer verscherbelt werden, vieles geht auch eindeutig einfacher UND günstiger... Komisch, dass sich da die stets effizient denkenden Deutschen scheinbar noch keine Gedanken darüber gemacht haben

Ein anderer Teil der Zeit, die ich auf dieser Station verbrachte, bestand darin, mit den Kindern zu reden oder zu spielen, um sie von ihrer Eintönigkeit im Bett abzulenken. Dabei war ich immer wieder von der Lebensfreude einiger Kinder beeindruckt, welche trotz ihrer schweren Situation so oft zum Vorschein kam... Zwar hat die Onkologie als einzige Station im Krankenhaus in jedem der 9 Zimmer einen Fernseher stehen, um den Kindern innerhalb ihres mehrwöchigen Aufenthalts wenigstens etwas Unterhaltung zu bieten, aber von denen wiederum funktionieren höchstens 5 so, wie sie sollten, während der Rest entweder keinen Ton von sich gibt oder das Bild auf die ein oder andere Weise beeinträchtigt ist. Alternative Beschäftigungsmöglichkeiten wie Spielzeuge usw. sind aus Platzmangel eher spärlich gesät, sodass es für die Kleinen immer ein Highlight ist, wenn sie Besuch von Voluntariern verschiedener sozialer Projekte bekommen.

Auch die Angehörigen sind über diese Besuche erfreut, weil sie die Zeit nutzen können, um selbst schnell etwas einzukaufen oder andere Angelegenheiten zu regeln. Denn, anders, als wir es aus Deutschland gewohnt sind, sind die Eltern (zumindest in dieser Klinik) dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass sich stets ein Verwandter oder Freund um die Kinder und ihre Bedürfnisse kümmert. Sie sind dafür verantwortlich, ihr Kind auf die Toilette zu begleiten, es zu waschen, zu füttern oder ihm zur Seite zu stehen, wenn es sich wegen der Chemotherapie übergeben muss. Selbstverständlich gibt es auch Eltern in Deutschland, die das aus freien Stücken machen, aber es ist doch eine andere Sache, wenn man dazu gezwungen wird und es keine eigens dafür gedachte Fachkraft auf der Station gibt, die diese Aufgaben im Notfall übernimmt. Eine Krankenschwester erklärte mir, dass dieser Umstand einen Großteil der Familien (noch mehr) in finanzielle Nöte bringt, da ein Elternteil nicht arbeiten kann, während der kleine Patient interniert ist (und wenn keine Großeltern o.ä. zur Stelle sind, muss man sich ja auch noch zu Hause weiter um das Kind kümmern...). Das ausbleibende Einkommen ist aber mehr als dringend benötigt: Weil eine Versicherung für viele Menschen der Unter- und Mittelschicht schlicht unbezahlbar ist, müssen die Eltern der Kinder über 5 Jahren die Medikamente, Infusionen und SÄMTLICHES Material, welches zur Verabreichung benötigt ist, selbst bezahlen (wie es mit den Ärzten und dem Krankenhausaufenthalt aussieht, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht  da frage ich morgen mal nach!). Dass die Mittel für die Chemotherapie nicht gerade günstig sind, versteht sich von selbst; dass es mit einem einmaligen Verabreichen nicht getan ist, ebenfalls... Glücklicherweise gibt es in dem Kinderkrankenhaus eine Anlaufstelle für Familien in finanziellen Nöten, aber trotzdem kann diese nur geringe Entlastung bieten.

Was ich aus all diesen Erlebnissen für mich persönlich mitnehme: In der 7. Klasse war ich der absolut unerschütterlichen Überzeugung, dass ich eines Tages in die weite Welt auswandern werde. Im Moment bin ich der ebenso festen Meinung, dass ich genau das NICHT tun werde, aus dem einfachen Grund, der mich die so fortschrittliche medizinische Versorgung daheim so unglaublich zu schätzen gelehrt hat...

Leider gab es gegen Weihnachten einen noch immer unaufgeklärten Skandal von Kindesmisshandlung in der Klinik (der Verantwortliche steht nicht fest, es wird sowohl Personal aus der Klinik, als auch aus dem Kinderheim verdächtigt, aus welchem das Kind eingeliefert wurde). Ich selber kann mir dazu auch keine Meinung bilden, weil es einfach viel zu viele verschiedene Meinungen der Leute gibt, mit denen ich mich darüber unterhalten habe und ich auch nicht genügend Hintergrundwissen besitze... Jedenfalls waren seitdem laufend Kontrollen und Behördenbesuche an der Tagesordnung und die Schwestern ließen mich aus Angst vor Fehlern usw. so gut wie nichts mehr helfen. Da für mich aber der medizinische Teil der Arbeit sehr wichtig ist, habe ich unsere Mentoren um eine neue Arbeitsstelle gebeten.

Seit Anfang Februar bin ich deshalb in einem kleinen Gesundheitszentrum in El Alto, der Armenstadt oberhalb von La Paz, und bin an meiner neuen Stelle sehr glücklich. Ich hoffe, dass ich bis zu meinem mittlerweile sehr nahen Rückflug noch einen eigenen Blogeintrag zu diesem sozialen Projekt der bolivianischen Regierung schreiben kann.

Auf ein baldiges, persönliches Wiedersehen :)

Eure Julia

 

 

Dokumentation über La Paz

16März2015

Hier eine kleine, leider etwas kurzfristige Kurzinfo für Interessierte:

Am Dienstag, den 17.03.2015, zeigt der WDR um 22.00 Uhr eine Dokumentation über La Paz. Wer also Lust und Zeit hat...

An dieser Stelle ein Dankeschön an Melli für den Hinweis <3

Gewissensbisse

15März2015

Einen wunderschönen guten Tag, meine lieben Leser!

Heute möche ich ein Thema ansprechen, das sicherlich jeder von uns kennt: Gewissensbisse.

Die einen haben sie, weil sie schon längst einmal wieder etwas auf ihren Blog geschrieben haben sollten (*hust*), andere haben sie aufgrund des vergessenen Geburtstags eines guten Freundes und wieder andere wegen des Stückchens Schokotorte zu viel am Wochenende.

Ich habe sie, weil man hier auf den Straßen immer und immer wieder am hellichten Tag über bewusstlose (oder schlafende?) Personen stolpert (diesmal bitte nicht wörtlich nehmen), die mitten auf dem Weg in allen möglichen und unmöglichen Positionen vorzufinden sind. Meistens handelt es sich um männliche Personen zwischen zwanzig und sechzig Jahren, höchstwahrscheinlich mit ordentlich Alkohol intus, und sehr oft sieht man ihnen die Armut schon aus der Ferne an.

Dank der Mitgliedschaft in meiner Lieblingshilfsorganisation ist mein erster Impuls in solchen Situationen natürlich immer sofort helfen: Ist die Person noch bei Bewusstsein? Reagiert sie auf Ansprache? Wenn nein, atmet sie noch? Und selbstverständlich: Den Rettungswagen rufen!

Aber schon hier setzen die ersten Probleme ein: Durch die Alkoholisierung und das extrem ungepflegte Erscheinen dieser bemitleidenswerten Leute fasse ich sie sehr ungerne an. Außerdem habe ich ehrlich gesagt ein wenig Angst vor der Reaktion, wenn man das Bewusstsein überprüfen würde. Möglicherweise erschrecken sie sich in der Annahme, dass man sie ausrauben möchte (was durchaus möglich ist) und schlagen um sich. Ich weiß, mein Zögern und meine Begründungen klingen furchtbar egoistisch und sind eigentlich mit nichts zu rechtfertigen, aber es ist für mich ein großes Hindernis, das ich immer noch nicht überwinden kann. Vielleicht könnte ich das, wenn ich wüsste, dass man ihnen durch das Rufen des Rettungswagens definitiv Hilfe verschaffen könnte - aber da tritt schon wieder das nächste Problem zu Tage.

Das bolivianische Gesundheitssystem beruht leider zum größten Teil auf dem Selbstzahler-Prinzip: Der Staat deckt die medizinische Versorgung für werdende Mütter und Kinder bis zum Alter von 5 Jahren. Danach muss alles selbst gezahlt werden: Der behandelnde Arzt, die Medikamente, sogar fast alle medizinischen Utensilien wie Spritzen, Infusionen, Drei-Wege-Hähne, Braunülen, Verbandsmaterial und Heftpflaster (teilweise sind diese Materialien nicht einmal auf der Station vorhanden, sondern müssen zuerst einmal von Angehörigen bei der nächstliegenden Apotheke besorgt werden, sogar bei Notfallzubehör wie Nadel und Faden in der Notaufnahme...). Krankenversicherungen gibt es zwar, doch diese sind nicht staatlich verpflichtend wie in Deutschland und sowieso nur für die obere Mittel- und Oberschicht bezahlbar. Somit ist auch das Rufen der Ambulancia auf Rechnung der einzuliefernden Patienten zu stellen. Wie ich aber bereits erwähnte, haben diese oben beschriebenen bewusstlosen Personen meistens ein ärmliches Aussehen und können mit großer Sicherheit die Rechnung für den Rettungswagen nicht bezahlen, geschweige denn der Behandlung in der Klinik.

Als Pia und ich unseren Mentor hier in La Paz auf diese Problematik angesprochen haben und ihn fragten, wie wir in solch einer Situation am Besten verfahren sollten, wusste selbst er keine Antwort. Die Frage nach der Bezahlung wird anscheinend sofort beim Erscheinen der Ambulanica gestellt - und im Zweifel hat der Anrufer zu zahlen! Wir stark sich diese Tatsache im Handeln der Leute widerspiegelt, hat er uns direkt an einem Beispiel erläutert, welches in den Medien kursierte:

Eine junge Mutter war in Mitten einer Menschenmenge offensichtlich so sehr mit ihrem schreienden Kind, das sich nicht beruhigen lassen wollte, überfordert, dass sie begann, auf das Kleine einzuschlagen. Umstehende Personen intervenierten glücklicherweise recht schnell und brachten die junge Frau mit ihrem Kind auf die nächste Polizeistation, wo sich die Beamten erst einmal mit der Aufnahme der Personalien von Täterin und Zeugen befassten, ohne sich um das Baby zu kümmern, welches augenscheinlich medizinischer Versorgung bedurfte. Einer der anwesenden Zeugen wies die Polizisten darauf hin, doch diese reagierten mit folgender Frage: "Und wer wird das bezahlen?" (Laut unserem Mentor kamen die Helfer gemeinsam für die Behandlung auf und das Kind wurde im Anschluss in einem Kinderheim untergebracht).

Daher: Selbst wenn man sich bereit erklären würde, die Rechnung für diese hilfebedürftigen und ohnmächtigen Personen zu übernehmen: Auf Dauer würde das sogar einen sehr reichen Menschen in den finanziellen Ruin treiben, da man fast täglich in solche Umstände gerät. Und irgendwo hat doch auch der Altruismus seine Grenzen - oder?

Auf der anderen Seite muss es trotzdem einen gewissen Grad an sozialer Verantwortung geben - ansonsten würde das gesamte Modell "Gesellschaft" in keinster Weise funktionieren...

Doch wie löst man dieses Problem, beziehungsweise wie verhält man sich, da es keine eindeutig richtige, einfache und sichere Lösung gibt?

Die Menschen hier in der Stadt setzen auf ein leider altbekanntes Verhalten: Ignoranz. Besinnungslose Personen mitten auf dem Gehweg werden einfach umrundet, genauso wie ein Laternenpfahl, ein Stein oder ein Hundehaufen. Selten bemerkt man einen besorgten Seitenblick oder gar ein Stehenbleiben. Trotzdem kann ich niemandem einen Vorwurf machen, da wahrscheinlich alle genauso ratlos und überfordert sind wie ich. Egal was man macht, es ist immer auf die ein oder andere Weise falsch und problematisch; der Status Quo schwebt wie ein Damoklesschwert über jeder Entscheidung...

Ich für meinen Teil verharre dann in einiger Distanz und beobachte die Personen, bis ich ein sicheres Lebenszeichen wie Bewegungen des Brustkorbs oder ähnliches sehe (wobei ich auch nicht weiß, wie ich reagieren würde, wenn ich so etwas nicht bemerken kann) und gehe anschließend wieder meiner Wege - mit leisen, schleichenden, immerwährend an meinen Fersen haftenden Verfolgern, die mich ständig begleiten: Gewissensbisse.

Résumé: Weihnachten & Silvester #3

21Feb2015

So, meine Lieben, das ist der letzte Teil meiner kleinen Reihe, in der ich von meinen Erlebnissen um die Weihnachtszeit herum berichte.

Nachdem Anso und ich von unserem Trip nach Corroico zurückgekehrt waren, trafen am nächsten Tag auch Pia und ihr Freund Melvin in der Wohnung ein, die aus Santa Cruz angereist kamen. Wir stellten fest, dass wir alle das gleiche Reiseziel für die kommenden Tage eingeplant hatten und begaben uns zusammen zu einem Büro, um unseren nächsten Trip zu buchen: Eine dreitägige Tour zum Salar de Uyuni.

Der Salar de Uyuni ist der größte ausgetrocknete Salzsee der Erde, umfasst mehr als 10.000 Quadratkilometer und ist wohl eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Bolivien - was sich leider auch sehr deutlich an den Heerscharen von Touristen bemerkbar macht.

Nach einer mehr schlecht als recht verbrachten Nacht im Bus nach Uyuni erreichten wir unseren Ausgangspunkt gegen 7 Uhr morgens. Viel Zeit blieb nicht, um kurz etwas zu frühstücken und sich frisch zu machen, denn wenige Minuten später sollte sich die gesamte Reisegruppe von ca. 20 Personen vor dem örtlichen Büro unserer Agentur versammeln. Mit der obligatorischen Verspätung trudelten nach und nach unsere Transportmittel für die kommenden Tage ein:

Unser Jeep^^

Zusammen mit einem chilenisch-deutschen Paar wurden wir dem oben abgebildeten Jeep zugeteilt und im Anschluss unser Gepäck oben auf dem Dach festgeschnallt. Dann steuerten wir auch schon unsere erste Sation an: Einen alten Eisenbahnfriedhof nahe Uyuni. Dort findet man teilweise über 100 Jahre alten Züge, die Wind und Wetter ausgesetzt stumm vor sich hin rosten. Angeblich hatte sich die bolivianische Regierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts dafür entschieden, dem Vorbild der schon länger voranschreitenden Industrialisierung Europas zu folgen und die Infrastruktur des eigenen Landes mit Hilfe von britischen Ingenieuren in Schwung zu bringen. Unglücklicherweise aber kollabierte die Industrie um 1940 herum, sodass der Ausbau abgebrochen werden musste und die nie benutzen Stahlriesen seitdem an ihrem Ursprungsort  langsam aber sicher verwittern, ohne je ihrer originalen Funktion gerecht geworden zu sein.

Uyuni Uyuni Melvin, Pia und Anso :) Anfahrt zum Eisenbahnfriedhof

 

Leider stören die Unmengen an Touristen die leise Melancholie, welche die rostenden Riesen verbreiten. Trotzdem hat mich der Ort wirklich sehr beeindruckt und bleibende Erinnerungen hinterlassen...

 

Darf ich vorstellen: Rekordhalterin im Gewichtheben :D

Das nächste Ziel, welches wir anschließend ansteuerten, war die große Hauptattraktion: Der Salar de Uyuni. Am Anfang habe ich gar nicht mitbekommen, dass wir schon in der Salzwüste sind, weil ich meine Sonnenbrille aufhatte und durch die Tönung der Boden eher erdbraun aussah. Erst als es hieß 'Aussteigen bitte' dämmerte mir dann langsam, dass irgendwas nicht stimmt. Allerdings konnte man die Brille beim besten Willen nicht länger als ein paar Sekunden absetzen, da das Salz die Sonnenstrahlung unglaublich reflektiert und das gleißende Licht ohne Schutz sofort tränende Augen verursacht.
Und wieder einmal fehlen mir die Worte, um die Eindrücke passend wiederzugeben, welche die unglaubliche Weite, das strahlende Weiß und die fantastische Landschaft hinterlassen haben. Deswegen versuche ich es erst gar nicht, sondern überlasse das getrost den Bildern :)

Ebenfalls war es sehr eindrucksvoll, dass in einiger Entfernung ein Regenschauer aufzog, dessen schwarze Wolken einen krassen Kontrast zu dem weißen Boden bildeten...

Posing :D Aber irgendetwas mussten wir ja machen, damit es nicht so langweilig aussieht^^     So sieht das dann aus einiger Entfernung aus^^

Anschließend wurden wir weiter zur Kaktusinsel gefahren. Diese Insel liegt mitten auf dem Salzsee und ist von hunderten Kakteen bewachsen und anscheinend auch noch bevölkert. Angeblich hat das Pärchen, welches mit uns im Auto dabei war, sogar einen Kolibri gesehen :) Allerdings waren Anso und ich nicht auf der Insel, sondern spazierten lieber einmal um die gesamte Oase herum, was gute 40 Minuten gedauert hat. Auch hier ist es wieder einmal sehr beeindruckend gewesen, was für einen Gegensatz das schwarze (Vulkan-?)Gestein zu dem Salz bot.

 

Die meist sechseckigen Strukturen auf dem Boden entstehen übrigens dadurch, dass der Salzsee in der Regenzeit von Wasser überschwemmt wird. Sobald diese vorbei ist, beginnt der Boden auszutrocknen, die Oberfläche wird somit quasi in alle Richtungen gedehnt und es bilden sich diese Risse, wie zum Beispiel bei Schlammpfützen. Da das Salz aber sehr homogen ist und in reinem Zustand eine Gitterstruktur aufweist, entwickeln sich diese Risse auch sehr gleichmäßig und schlussendlich kommen die Polygone zum Vorschein.

Die Erklärung habe ich in einem persönlichen Reiseblog gefunden und versucht, sie etwas vereinfacht wiederzugeben. Für die Richtigkeit kann ich also nicht garantieren und hoffe, dass es halbwegs verständlich ist^^

Ich merke schon wieder, dass der Rahmen gesprengt wird, deshalb wird das dann wohl doch nicht der letzte Teil dieser Reihe werden...

Bis zum nächsten Mal :)

PS: Damit auch alles seine Richtigkeit hat - Nicht alle Bilder sind von mir, ein paar von Melvin sind auch darunter.

Résumé: Weihnachten & Silvester #2

12Jan2015

Nachdem Anso und ich vom Titicacasee zurückgekehrt waren, beschlossen wir kurzfristig den 24. Dezember recht unkonventionell zu verbringen: Auf der Death Road - mit dem Fahrrad.

Die Death Road ist eine alte, ungeteerte, ziemlich kurvige Straße, die vom Tiefland nach La Paz führt und einst (eigentlich immer noch) den Titel 'gefährlichste Straße der Welt' trug. Früher fanden dort viele Fahrer den Tod, da der Weg ziemlich schmal ist und teilweise nicht genügend Platz für zwei passierende Fahrzeuge bietet, sodass man leicht den Abhang, der nur an extrem wenigen Stellen mit Leitplanken gesichert ist, hinunterstürzen kann. Heute besteht die offizielle Route aus einer neuen, 15 Km längeren Umgehungsstraße mit besserer Straßenführung und Sicherheitsvorkehrungen und somit ist die ursprüngliche Death Road heute Mountainbikern und einigen abenteuerlustigen Autofahrern überlassen.

Por suerte gibt es hier in La Paz so viele Tourenanbieter wie Sand am Meer und wir hatten unerwarteterweise keinerlei Probleme eine Agentur zu finden, die an dem gewünschten Datum zwei Plätze für uns bot.

Morgens um 06.30 Uhr mussten wir uns im Büro des Anbieters einfinden, wo wir mit der nötigen Ausrüstung ausgestattet und anschließend zum Ausgangspunkt gekarrt wurden.

Ausgangspunkt am altbekannten Cumbre, der Pass auf ca. 5000m Höhe

Das Fahrradfahren an sich ist überhaupt nicht anstrengend, da es ca. 95 % der 65 Km langen Strecke nur bergab geht, insgesamt über 3000 Höhenmeter werden hier überwunden. Trotzdem darf man die Tour nicht unterschätzen, da auf der holprigen Schotterpiste ein wenig Fahrtechnik von Nöten ist und man ständig höchst konzentriert auf die Straße achten muss, um nicht aus Versehen einen Steilhang hinunterzufallen (Was leicht passieren kann: Als Freunde einige Tage vor uns die Death Road mit dem gleichen Anbieter gemacht hatten, stürzte ein Mitglied ihrer Gruppe 15m in die Tiefe. Der gute Mann kam zum Glück glimpflich mit einem gebrochenen Arm und einer leichten Gehirnerschütterung davon.). Der spektakulärste Teil ist aber tatsächlich die unfassbar umwerfende (bitte nicht wörtlich nehmen, wäre auf dem Fahrrad auch zu gefährlich :D ) Natur: Innerhalb von 5 Stunden durchfährt man fast sämtliche Vegetationszonen, die das Land zu bieten hat, und bekommt am eigenen Leib in - je nach Fahrweise variierend - rapider Geschwindigkeit mit, welchen Einfluss die Höhe auf das Klima macht. Die zu Beginn von Nebel verschleierten, leblosen, kargen und grauen Felswände werden Meter für Meter Richtung Tiefland grüner und bewachsener, während die Luftfeuchtigkeit proportional dazu steigt und die anfänglich schneidende Kälte Stück für Stück in ein schwül-warmes, tropisches Klima übergeht. Nachdem man Bäche durchquert, Wasserfälle unterquert, Schluchten überquert und Bergmassen in unvorstellbaren Dimensionen gesehen hat, kommt man schlussendlich nass, aber mit unvergesslichen Eindrücken in den Yungas an, die vor blühendem Leben fast zu platzen scheinen. Möglicherweise klinge ich im Moment wie ein über alle Maßen euphorischer, höchstmotivierter Autor eines Reiseführers, dessen Gehalt wahrscheinlich von der abartig häufigen Verwendung von positiv konnotierten und möglichst im Superlativ formulierten Adjektiven abhängt, aber meine Begeisterung ist ungespielt! Leider habe ich meine Kamera nicht mitgenommen, deswegen müsst ihr mir dieses Mal eben ohne bildlichen Beweis glauben :)

Unten im Tal klinkten Anso und ich uns von der Gruppe aus und nahmen einen zufällig vorbeifahrenden Minibus nach Coroico, ein kleines Touristendorf in den Yungas. Falls ihr euch fragen solltet, was denn die Yungas sind: Die Yungas ist eine Region in den Anden, die den Übergang vom Hochland zum Regenwald bildet und somit eine Art Vorstufe des Dschungels darstellt.

An diesem Abend suchten wir uns schnell eine günstige Unterkunft und verbrachten die Zeit bis zum Schlafengehen in einem winzigen, mexikanischen Restaurant, wo wir noch eine deutsche Alleinreisende aus Bayern trafen. Um ehrlich zu sein, war der Heiligabend ohne Familie doch ein wenig trist, aber wenigstens hatte ich mit Anso ein Stück Heimat bei mir. Natürlich haben auch die tropischen Temperaturen und die unbekannte Landschaft geholfen die aufkeimende Melancholie zu vertreiben, da in solch einer Umgebung partout keine Weihnachtsgefühle an die Oberfläche kommen können.

Am nächsten Morgen wanderten Anso und ich noch talwärts zu einer Straße, von der wir aus wieder nach La Paz gelangen wollten. Immerhin hatte Anso ihre kleine Digitalkamera dabei und konnte ein paar Impressionen festhalten, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Leider sind es nicht so viele, aber es kann ja nicht jeder so knipswütig wie ich sein :D

Übrigens (auf die immer wieder gestellte Frage, wie hier in Bolivien der 24. genau abläuft): Weihnachten ist nicht viel anders als in Deutschland. Viel Essen, Kirche, Blingbling-Weihnachtsschmuck, Plastiktanne und Geschenke, die allerdings erst um 24 Uhr geöffnet werden.

Was vor und an Silvester passiert ist, verrate ich euch im nächsten Eintrag. ¡Hasta la próxima! :)

Résumé: Weihnachten & Silvester #1

09Jan2015

Zuallererst: Liebe Leser, seien es Verwandte, Freunde oder auch einfach nur interessierte Leseratten mit Fernweh - ich wünsche euch allen ein wunderschönes Jahr 2015, das euch mit all seinen noch unbekannten Erfahrungen, Erlebnissen und Wiedersehen hoffentlich viel Freude bereiten und unvergesslich tolle Momente bescheren wird!

Sicherlich wird es euch interessieren, wie es mir hier in den letzten Wochen ergangen ist. Um es vorweg zu nehmen: Einfach super!

Anfang Dezember machten Pia und ich uns erst einmal daran in irgendeiner Weise etwas weihnachtlichen Flair in unserem kleinen Zuhause zu verbreiten. Der Versuch war zwar durchaus bescheiden, aber nichtsdestotrotz getreu dem Motto 'Klein, aber fein!'. Man muss ja schließlich nicht immer den Größten haben.

Ja, kann durchaus sein, dass die Ananas größenmäßig eine Konkurrenz darstellt... Was soll's?! :D! :

Schon mehrmals kam die Frage auf, ob Weihnachten hier in Bolivien ähnlich wie in Deutschland gefeiert wird und gleichsam überall Deko zu sehen ist. Hier die Antwort: Ja, definitiv! Meiner Meinung nach sogar mit mehr Protz und Pomp, als ich es von daheim gewöhnt bin. So lasset die Bilder sprechen:

Plaza vor der Iglesia San Francisco

Iglesia San Francisco

Lama!

Hauptstraße Auf der Plaza Murillo Regierungsgebäude Plaza Murillo

Dinge in der Vorweihnachtszeit: Ergänze was fehlt!

Adventskalender - Weihnachtsbaum - Glühwein - Weihnachtsmarkt - Adventskranz - ???

'Orangen?' - Hä?

'Lichterketten?' - Ja schon, aber das gab es ja zu Genüge, siehst du ja!

'Schokoladennikoläuse?' - Das gehört zu Nikolaus -.-

'Plätzchen?' - ENDLICH!

Genau, Plätzchen gehören zu Weihnachten so wie Bonnie zu Clyde. Blöd nur, dass wir keinen Backofen haben. Aber dank der deutschen Konditortradition sind die Vielfalt und Herstellungsmöglichkeiten von Plätzchen mindestens so zahlreich wie die Anzahl an absolut glaubwürdigen Abnehm-Annoncen, welche spätestens nach Silvester wie Pilze aus dem Boden sprießen und stets neu entdeckte, nach Geheimrezept hergestellte Wundermittelchen anpreisen, um die mit dem selbst gemachten Süßgebäck frisch angefutterten Pfunde wieder loszuwerden.

Also erinnerte sich Pia glücklicherweise an ein Rezept, das mit möglichst wenig Aufwand und Zutaten immerhin einen akzeptablen Ersatz bot. Man nehme Schokoladenkuvertüre, erhitze diese im Wasserbad und füge beliebige Nahrungsmittel hinzu, die möglicherweise dazu passen könnten: Cornflakes, Nüsse, Rosinen, Zimt, Kokosstreusel, etc.

Das Ergebnis war hinterher gar so gut, dass man es auch anderen Leuten antun konnte und ich kleine Päckchen bastelte, um sie vor meinem Weihnachtsurlaub noch in der Klinik an das Personal zu verteilen.

Nachdem das erledigt war, kam ein Ereignis, auf das ich mich schon seit Beginn meines FSJs gefreut hatte: Das Treffen mit Anso.

Für alle die nicht wissen, was genau ein Anso sein soll (ich wurde nämlich schon einmal gefragt, ob das eine Automarke sei): Anso ist die Abkürzung für Ann-Sophie, eine Freundin, mit der ich seit meinem 2. Jahr an meiner ehemaligen Schule bis zum Abitur in einer Klasse war. Schon früher haben wir zusammen Pläne geschmiedet, dass wir nach dem Abschluss ins Ausland gehen möchten. Dass es uns beide nach Südamerika, sogar in Nachbarländer, verschlagen hat, ist reiner Zufall. Anso absolviert momentan ein FSJ in einem Altenheim in Cuzco, Peru, und hatte mir schon relativ zu Beginn den Vorschlag unterbreitet, dass wir Weihnachten und Silvester gemeinsam verbringen könnten. Gesagt, getan.

Am 20. Dezember trafen wir uns in Copacabana am Titicacasee. Kurz und bündig: Es war  ein richtig schönes und gleichzeitig kaum zuzuordnendes Gefühl, ein so vertrautes Gesicht nach fast einem halben Jahr in der fremden Umgebung zu sehen. Diese irritierende Empfindung war aber nach kürzester Zeit wieder verschwunden und wir blieben die folgenden zwei Nächte erst einmal am See: Die erste Übernachtung waren wir in einer kleinen, sehr schlichten, aber trotzdem schönen Unterkunft am Ufer:

Wiedersehen mit Anso :) Picknick am Ufer 

Unterkunft Nacht 1 Ausblick Abends

Am folgenden Mittag fuhren wir auf die Isla del Sol, nachdem wir uns noch in der Stadt, die einen erheblichen Dorfcharakter hat, mit Proviant eingedeckt hatten. Anso hatte nämlich die spontane, mir in dem Moment nicht so grandios erscheinende Idee gehabt, dass wir die Nacht auf der Insel unter freiem Himmel verbringen. Nach einer kurzen Rast am Hafen machten wir uns einfach frei Schnauze auf die Suche nach einem geeigneten Lager und wurden an einer kleinen, einsamen Bucht mit Sandstrand fündig.

Meine Befürchtungen bezüglich Regen und zu extremer Kälte haben sich zum Glück nicht erfüllt und im Nachhinein muss ich sagen: Die Idee war doch grandios und DANKE, Papa, für den Thermoschlafsack! Zwar ist der harte Sandboden natürlich nicht so angenehm wie ein Bett und die dürftige Katzenwäsche am nächsten Morgen ersetzt kein richtiges Badezimmer, aber der Sternenhimmel in der Nacht, das erste Vogelzwitschern zu Tagesanbruch und die restlichen Sinneseindrücke waren einfach der Wahnsinn und haben für alles, aber auch alles entschädigt. (Beim Durchlesen hört es sich so an, als ob ich so etwas noch nie erlebt habe. Doch natürlich, ich bin kein verwöhntes Hotelurlaubkind, im Gegenteil, aber der Einfall und die Umsetzung waren so überraschend :D)

Schweinchen *___* Auf der Suche Spuren Unsere Bucht :) Sonnenuntergang Sonnenuntergang ein paar Minuten später... Guten-Morgen-Selfie von Anso :D

Die Bucht am nächsten morgen Auf dem Rückweg...

Nach unserem Survival-Abenteuer ging es dann zu unserer nächsten Station: La Paz :)

Ich merke wieder einmal, dass mein Blogeintrag ausufernde Ausmaße annimmt, deswegen wird er in einzelne Teile zerlegt :)

Der Rest kommt bald! Bis zum nächsten Mal :)

Der lang versprochene Blogeintrag - Wochenmarkt!

07Dez2014

So, meine lieben Leser, nachdem gestern sowohl gutes Wetter, ausreichend Zeit, als auch die nötige Motivation zu rechter Zeit an rechtem Ort aufeinandertrafen, ist es endlich vollbracht: Der lang versprochene Blogeintrag über den Wochenmarkt, von welchem ich bereits des Öfteren geschwärmt hatte, findet seinen Weg zu euch!

Lasst uns gemeinsam eine virtuelle, auf Bildern festgehaltene Reise ans andere Ende der Welt auf den 'Mercado Rodriguez' in der höchsten Großstadt der Welt unternehmen :)

 

Zunächst verlassen wir die kleine, gemütliche Wohnung, die Pia und ich momentan unser 'Zuhause' nennen, biegen rechts um die Ecke und haben zuerst einmal einen kleinen Anstieg vor uns:

Calle Santa Cruz

Es geht vorbei am berühmt-berüchtigen Hexenmarkt, dem 'Mercado De Las Brujas', auf dem man in den kleinen, dicht aneinandergedrängten Hexenlädchen alles erstehen kann, was das Magierherz begehrt.

Zauberpülverchen, die rapides Abnehmen versprechen; Liebesstaub, welchen man dem heimlich verehrten Schwarm insgeheim in den Nacken streuen soll, (für die ganz schnellen: es gibt auch Sexpulver, das man irgendwie in die Unterwäsche des Angebeteten zu schmuggeln hat); Pulver gegen den bösen Blick - es gibt nichts, was es nicht gibt!

Natürlich dürfen auch die getrockneten Lamaföten nicht fehlen, die bei Neubauten in das Fundament eingemauert werden müssen, um Unglück abzuwenden und die 'Pachamama', die Mutter Erde, zu beruhigen. (Auf einer Stadtführung berichteten die Guides sogar von angeblichen Großbauten, welche auch etwas immensere Opfer forderten: Menschen. Das sei aber zum Glück schon seit einigen Jahren nicht mehr vorgekommen. So viel dazu.)

Gruselig? :D

Dass vieles aus eigener Produktion stammt, lässt sich an den unterschiedlichen Kräutern und Blüten erkennen, die vor einigen Läden in der Sonne zum Trocknen ausgelegt sind.

Nachdem wir drei 'cuadras' (Häuserblocks) passiert haben, gönnen wir uns eine kleine Atempause von dem steilen Anstieg und biegen anschließend links ab, laufen eine 'cuadra' weiter und nehmen die nächste Abzweigung nach rechts. Schließlich kommen wir an der 'Baumarktstraße' vorbei...

... ziehen an verwitterten Fassaden vorüber, deren schöner Kolonialstil von einst kaum noch zu erkennen ist, ...

... und gelangen an unsere erste Station: Der Apfelstand.

'One apple a day keeps the doctor away' -Oma- ;)

Die Wochenration von 10 Äpfeln zum Preis von 10 Bolivianos (ca. 1,20€) wird in den Rucksack gepackt (bitte ohne 'Bolsa', der Plastiktütenverbrauch ist hier sowieso schon abnorm erhöht) und das nächste Ziel etwa 100m weiter wird angepeilt: Mangos!

Mangooooooooos <3

Und schon haben wir den Eingang des 'Mercado Rodriguez' erreicht:

Auf einer riesigen Fläche wird hier so ziemlich alles feilgeboten, was man sich nur vorstellen kann; von gebrauchter und neuer Kleidung, über Kochutensilien, Wasch- und Putzmitteln sowie frischer Nahrungsgüter aller Art, bis zu Toilettenpapier, Schmuck und Spielzeug.

Gemeinsam mit vielen anderen kauflustigen Besuchern zwängen wir uns an den unzähligen Bekleidungsständen vorbei, um die freundlich schielende Bananenfrau anzusteuern, welche uns mittlerweile kennt und nett begrüßt. Hier gibt es erfahrungsgemäß einfach die besten und größten Bananen zu kaufen :)

Platanos!

Noch steigen uns die angenehm sanften Düfte von frischem Obst in die Nase, doch sobald wir die Straße wenige Meter hinunterlaufen, nähern wir uns dem Fischsektor und die Gerüche werden etwas schwerer und aufdringlicher.

Dass hier auch Fliegen auf den Tierchen aus dem Titicacasee herumkrabbeln, steigert nicht unbedingt den Gemütlichkeitsfaktor an diesen Ständen und der Schritt beschleunigt sich unwillkürlich.

Noch ein wenig weiter und nun stranden wir in dem Areal des Marktes, das sämtliche (Hobby-) Köche sich im Paradies wähnen lässt: Gewaltige Mengen an frischem Obst und Gemüse finden sich auf kleinstem Raum zusammen, dazwischen stapeln sich Säcke von unterschiedlichsten Samen, diversen Getreidearten und aromatischen Gewürzen nebst Büscheln von saftig grünen Kräutern.

Tuntas - speziell getrocknete Kartoffeln

Gelegentlich fühlt man sich auch leicht in mittelalterliche Zeiten zurückversetzt, wenn man von den werbenden Rufen der Marktfrauen eingehüllt die wenig freien Fleckchen Erde mit Stroh bedeckt erspäht.

Sodann haben wir uns für die nächste Woche mit ausreichend Gemüse und Obst (Papaya!) eingedeckt, alles im Rucksack verstaut, der in der Zwischenzeit gut und gerne an die 8 Kilo Lebensmittel beinhaltet, und quetschen uns zu einer abzweigenden Seitenstraße hindurch, welche zum Ausgang des Marktes führt. Im Vorbeigehen werden noch ein runder Käse und Eier mitgenommen, die selbstverständlich in Plastiktüten (was sonst?) verpackt an den Kunden überreicht werden.

 Die lockenden Aufrufe der restlichen Verkäufer ignorierend treffen wir endlich auf die weniger bevölkerte Parallelstraße, wo nur noch am Rand verschiedene Dinge angepriesen werden.

Auf dem Rückweg zu unserem Domizil kommen wir nun in der typischen Touristenecke vorbei. Hier wird jeglicher Tand und Firlefanz angeboten, den man sich als Reisender nur wünschen könnte, wobei Lamamotive und knallige Farben natürlich das vorherrschende Thema darstellen.

An der Straßenecke, die an unser Haus grenzt, befindet sich noch einer der überall in der Stadt verteilten Mini-Tiendas, die alles bieten, um den süßen Zahn oder den schnellen Hunger zu befriedigen: Große und kleine Packungen Kekse, Schokolade, Soft-Drinks, Cracker, Chips, Popcorn mit und ohne Schokoladenüberzug, Kaugummi, Nüsschen etc.

Erleichtert erreichen wir die Wohnung und können den schweren Rucksack endlich abladen. Dabei stellen wir allerdings fest, dass wir Brötchen für den kommenden Morgen vergessen haben. Also noch einmal flugs aus dem Hauseingang herausgetreten und dieses Mal nach links gewandt: Schon haben wir den Mercado Lanza im Blick, in dem wir immer unsere Milchprodukte wie Frischkäse, Milch und Butter kaufen.

Mercado Lanza

Unmittelbar an der Ecke gegenüber befinden sich zu fast jeder Tageszeit die Brötchenfrauen, von denen wir nun unsere Backwaren erstehen.

Und damit haben wir unsere Einkaufodyssee vollbracht!

Ratet mal, was man nach so einer ausgiebigen Shoppingtour hat?!

Richtig :)

Hunger! ^^

PS: Im Gegensatz zu Deutschland sind hier die Supermärkte um einiges teurer als die ganzen Märkte und kleinen Tante-Emma-Läden. Diese deutsche Denkweise abzulegen hat allerdings erst einmal einige Zeit gedauert ^^

15 Dinge, die...

05Dez2014

... ich in Deutschland feiern werde

 

- Famile

- Freunde

- Waschmaschine

- Quark

- Fahrrad fahren

- geregelter Verkehr & selber Autofahren

- meine Lieblings-Hilfsorganisation

- Vollkornbrot

- spürbare Jahreszeiten

- Milch im Tetrapack

- Studium

- Backofen

- Laufen im Wald

- Damenschuhe, die über Größe 38 hinausgehen

- das deutsche Gesundheitssystem

 

 

... ich in Deutschland vermissen werde

 

- extrem frisches Obst & Gemüse (Papaya!)

- zu jeder Zeit an jedem beliebigen Ort in den Bus einsteigen zu können

- Begrüßung mit Wangenküsschen

- Lustwandeln auf dem Wochenmarkt

- Das Gefühl, alles an 18h pro Tag auf gefühlt 100 m² erstehen zu können (Tja, der Mensch ist halt von Natur aus Konsument ^^ )

- Lamas

- stressfreier Alltag

- südamerikanische Musik in der Disco

- ständig neue Ecken in unmittelbarer Umgebung zu entdecken

- Serien zum Preis eines Kaugummis aus Deutschland kaufen zu können

- flugzeugfreier Himmel

- WIRKLICH unberührte Natur

- spanisch sprechen

- mein bolivianisches Handy, das einmal alle 2 Wochen aufgeladen werden muss

- Reisen über Nacht in den gemütlichen Schlafbussen

 

Die Kunst, richtig zu reisen

28Okt2014

 

Entwirf deinen Reiseplan im großen - und lass dich im einzelnen von der bunten Stunde treiben.

Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt - sieh sie dir an.

Niemand hat heute ein so vollkommenes Weltbild, dass er alles verstehen und würdigen kann: hab den Mut, zu sagen, dass du von einer Sache nichts verstehst.

Nimm die kleinen Schwierigkeiten der Reise nicht so wichtig; bleibst du einmal auf einer Zwischenstation sitzen, dann freu dich, dass du am Leben bist, sieh dir die Hühner an und die ernsthaften Ziegen, und mach einen kleinen Schwatz mit dem Mann im Zigarrenladen.
Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudele durch die Welt.

Sie ist so schön: gib dich ihr hin, und sie wird sich dir geben.

- TUCHOLSKY -

 

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 Sonntag: Ziellose Wanderung am Cumbre, höchster Punkt zwischen La Paz und den Yungas, 1 Autostunde von La Paz entfernt.

Unser erster 5000er :)

Anfang der Wanderung

Kleiner Gebirgsbach

B Blümchen :) Nochmal Blümchen :) Uuuuuuund noch mehr Blümchen. Die fleischfressende Pflanze haben wir selber erst zu Hause bemerkt :D Endlose Weite...

  Aufstieg Lagune im Gebirge Aufstieg zum Gipfel Über Geröllfelder

Gipfelstürmerin Pia ;) Inkaruinen im Tal Talausblick Weg zu den Yungas :)  Was haben wir wohl gesehen? ;) Highlight am Ende: LAMAHERDE!!! *__* Noch mehr Lagunen :) Sogar mit Möwen!

Die Sonneninsel / Heute ist schon 1/4 vorbei :O

22Okt2014

Vergangenes Wochenende führten Pia und ich unseren bis ins kleinste Detail geplanten Wochenendtrip zur 'Isla del Sol' im Titicacasee durch. Die Vorbereitung sah ungefähr so aus:

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Montag

Pia: Hey Julia, Lust am Wochenende zur Insel zu fahren?

Julia: Ja, schon, lass mal machen...

Freitag

Pia: Das mit dem Ausflug steht noch, oder?

Julia: Ja klar, natürlich. Geh'n wir morgen so um 8 los? Dann können wir gegen 9 abfahren... Moment mal, wo genau fahren die Busse überhaupt ab?

Pia: Am Friedhof.

Julia: Okay, passt.

 

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Nachdem das geklärt war, ging es Samstagvormittag tatsächlich im Minibus Richtung Copacabana los - natürlich nicht um 9, sondern erst um 11. Anmerkung! Wer auch immer hier in Bolivien einen Ausflug vorhat - plant UNBEDINGT, ich wiederhole: UNBEDINGT den Verkehr ein. Soll heißen: Was zu Fuß ungefähr eine halbe Stunde dauert, braucht mit dem öffentlichen Nahverkehr zu Stoßzeiten mindestens doppelt so lang. Dazu kommt die obligatorisch bolivianische Verspätung von >30 Minuten und schon ist der deutsche Masterplan komplett über den Haufen geworfen.

Nichtsdestotrotz sichteten wir nach etwa dreieinhalb Stunden Fahrt die ersten Schiffe auf dem azulblauen Wasser und wähnten uns schon am Ziel, als der Minibus an einem Hafen zu stehen kam. Aber falsch gedacht, stattdessen wurde die gesamte Besatzung einmal über eine 'Seeenge' verfrachtet. Also, Leute in ein kleines Personenboot, Minibus auf ein Autoschiff, rüber auf die andere Seite und es ging weiter, bis wir endlich in Copacabana ankamen.

 

 

Dort stellten wir fest, dass wir leider die letzte der zwei täglichen Fähren verpasst hatten, die auf die Insel übersetzen. Glücklicherweise mangelte es nicht an Angeboten von privaten Bootsbesitzern und wir fanden recht schnell eine Möglichkeit auf die Isla del Sol zu gelangen. Laut dem Eigentümer sollten wir gegen 16 Uhr absetzen. Kurz und knapp: Aus 16.00 Uhr wurde 16.30 Uhr, aus 16.30 Uhr wurde ein 'Es geht gleich los, ich rufe euch dann an, gebt mir mal noch eure Nummer!' und aus dem 'Es geht gleich los' wurde schlussendlich ein anderes Boot und 18.00 Uhr, sodass wir um 18.15 Uhr zusammen mit dem einäugigen Kapitän ablegten.

An Entschädigungen für die lange Wartezeit mangelte es uns aber nicht: Zunächst hatten wir, also Pia, Diego (ein Kolumbianer, den wir unterwegs kennengelernt hatten und der uns das Wochenende über begleitete) und ich, uns auf dem Dach eines Cafés am Seeufer einen Fruchtshake (Papaya!) gegönnt.

Definitv noch besser war aber der Sonnenuntergang, dem wir auf dem Dach des Schiffes entgegenfuhren, bis wir in der Dämmerung den Saum der Insel erreichten.

Wer auch immer die Isla del Sol besucht, wird garantiert von diesem von Autos unberührten, naturbelassenen, ruhigen Ort schwärmen, der das reinste Paradies für wanderbegeisterte Sportler darstellt. Auch wir konnten sofort bestätigen, dass das stille Fleckchen Eden im Titicacasee wahrhaftig atemberaubend ist - was aber zunächst weniger an der Aussicht (mittlerweile war es ziemlich dunkel), als an dem steilen Aufstieg zum Süddorf lag, den wir mitsamt unserem Gepäck erst einmal bewältigen mussten. Der Titicacasee ist etwa 15,5 mal so groß wie der Bodensee und liegt auf einer Höhe von 3810m über dem Meeresspiegel, was noch einmal etwa 400m mehr sind, als wir mittlerweile aus La Paz gewöhnt sind - und hier merkt man sofort jeden minimalen Höhenunterschied an der Kondition. Das fehlende Licht erschwerte uns leider ebenfalls die einstündige Wanderung zur Unterkunft. Doch wie vieles im Leben hatte auch diese Tatsache die zwei Seiten einer Münze. Die polierte Seite sieht in diesem Fall so aus:

Meine sehr geehrten Damen und Herren, präsentiere ich Ihnen unter einem riesigen Applaus:

Die Milchstraße!

(Das Gebäude war natürlich nicht so beleuchtet, der Eindruck entsteht wegen der langen Belichtungszeit)

Der Sternenhimmel war wirklich der absolute Wahnsinn, so etwas habe ich noch nie zuvor in meinem Leben gesehen. Die Bilder können leider nur einen winzigen Ausschnitt des Firmaments darstellen und kommen auch nicht im geringsten an die Eindrücklichkeit des Erlebnisses heran. Trotzdem hoffe ich, dass ihr es euch ein wenig vorstellen könnt :)

Jedenfalls fielen wir in dieser Nacht nach einem schnellen Abendessen (Trucha, Fisch aus dem Titicacasee) sofort ins Bett des Hostels. Am Rande: In der Unterkunft traf ich zufällig eine Frau aus Geislingen (ihren Wohnort erfuhr ich auf direkte Nachfrage, das Schwäbische ist einfach zu verräterisch Hach, war das schön mal wieder etwas aus der Heimat zu hören!)

Am nächsten Morgen machten wir uns unter einem zunächst bewölkten Himmel zur Wanderung auf die Nordseite der Insel fertig, auf welcher man alte Ruinen der Inkas besichtigen kann.

Ach ja, wer sich gefragt hat, woher der Name 'Titicacasee' stammt (Ruhe! Ihr könnt euch euer pubertäres Gelächter sparen!): Laut einem Tourguide bedeutet 'titi' in Aymara 'Puma' und 'carca' steht für 'Felsen' oder 'Stein'. Nun befindet sich auf der Südseite der Insel in direkter Nähe zu den Ruinen eine recht große, von den Inkas geheiligte Felsformation, in der man mit viel Fantasie angeblich einen Puma erkennen soll. Meine Fantasie hat dafür bedauerlicherweise nicht ausgereicht, aber immerhin die der Inkas, sodass der Stein namensgebend für das Gewässer war.

Nach sechs Stunden anstrengendem Wandern unter der in der Zwischenzeit herausgekommenen und nun sengenden Sonne, waren wir sehr erleichtert, endlich wieder an der Unterkunft anzugelangen. Doch lange Pause machen durften wir uns nicht erlauben, da wir noch ungefähr 45 Minuten hatten, um die letzte Fähre zu erreichen, die von der Insel zum Festland fuhr. Also Rucksack aus dem Zimmer geholt, aufgeschnallt und die letzten, qualvollen (Kilo-)Meter hinunter zur Anlegestelle geschleppt. Auf ungefähr zwei Dritteln der Wegstrecke mussten wir uns an einer entgegenkommenden Lama-Schaf-Esel-Herde vorbeizwängen, die von einer traditionell gekleideten Frau begleitet wurde. Aus mir unerfindlichen Gründen (vermutlich um sicherzugehen, aber eigentlich gibt es nur einen einzigen Pfad) fragte ich diese zufällig, ob dies auch der richtige Weg zum Hafen sei und bekam ein freundliches Nicken zur Antwort. Direkt darauf erkundigte sie sich aber noch, wo wir denn hinwollten und rettete uns damit vor einer kleinen Katastrophe (oder zumindest vor einer weiteren, unfreiwiligen Nacht auf der Insel). Wie sich nämlich herausstellte, gibt es auf der Südseite der Insel zwei Häfen: Einen am Fuß des rechten Hangs, an dem wir in der vorigen Nacht angelegt hatten, und einen am linken. Blöd, dass uns niemand darauf hingewiesen hatte, dass es 1.) zwei Ankerplätze gibt und 2.) nur von der linken Seite aus die Schiffe nach Copacabana übersetzen. Wir drei also wieder ziemlich abgekämpft die rechte Böschung bergauf gehetzt, vorbei an der Lama-Schaf-Esel-Herde gequetscht, kaputt oben angekommen und mit der Zeit im Nacken wieder die linke Seite hinuntergestolpert. Ich weiß nicht, wie Pia es geschafft hatte die restliche Energie herbeizuzaubern, aber sie vollbrachte es tatsächlich noch vorauszurennen und die gerade (gelobt sei die 'Hora boliviana'!) leicht verspätend ablegende Fähre aufzuhalten, sodass Diego und ich etwa 5 Minuten später fix und fertig auf das kleine Schiff mit den wartenden Fahrgästen aufspringen konnten (wobei es eher ein 'hinplumpsen lassen' war). 

Die Heimreise von Copacabana nach La Paz verlief überraschenderweise weder mit unwillkommenen Hindernissen noch mit sonstigen Verzögerungen, sodass wir die Nacht erfreulicherweise in unserem eigenen Bett verbringen konnten.

Also: Schlaft gut in eurem eigenen Bett und bis zum nächsten Eintrag

Backe, backe Kuchen - und EMPANADAS!

17Okt2014

Jetzt mal hier zur Ausnahme ein sehr kurzer Blogeintrag mit wirklichem Alltagsgeplänkel:

Pia und ich waren neulich bei Beatriz, einer Freundin, eingeladen, um mit ihr gemeinsam deutschen Apfelkuchen zu backen. Beatriz hat selber im Zuge eines Schüleraustauschs vor einiger Zeit für ein Jahr in Köln gelebt und war ganz wild auf die 'Strrroisel'. Das Projekt hat eigentlich auch recht gut funktioniert - bis die Pudding-Apfelkuchen-mit-Streusel-Kreation in den Ofen kam, der mit Gas beheizt wird. Dass es damit nicht nur beim Kochen, sondern ebenfalls beim Backen wesentlich schneller geht, hatte ich dummerweise nicht bedacht. Naja, auch wenn der Rand ein bisschen schwarz war, geschmeckt hat es trotzdem :)

Am gleichen Abend gab es in der Familie auch noch Empanadas mit Käsefüllung und runde, frittierte Scheiben (den Namen habe ich leider vergessen) zu essen, die mit Puderzucker bestäubt werden. Das war wider Erwarten des fleißigen Lesers ('Käse und Puderzucker?! Bist du wahnsinnig oder einfach nur schwanger?')  wirklich total 'delicioso'! Jedenfalls durften Pia und ich auch gleich einmal unsere Empanadas - Back- Skills ausprobieren, was natürlich - typisch 'Generation Smartphone' - auch sofort für die Nachwelt dokumentiert werden musste (entschuldigt die schlechte Qualität, sind halt Handybilder )

So sahen die Vorbilder aus:

Das Ideal!

... und das war mein peinlicher Versuch am Anfang:

...blutiger Anfänger

Aaaaaaaaber Übung macht bekanntlich den Meister!

Übung macht den Meister :)

Und nachdem alles einmal in heißem Pflanzenfett ausgebacken war, kam es auf den Tisch.

Das Resultat

Die runden Scheiben, deren Teig zusätzlich Anis enthält, werden mit etwas Honig beträufelt und anschließend verzehrt:

Okay, damit meine liebe Oma (jaaaaaah, meine Oma ist so cool und weiß, wie man im Internet surft! An dieser Stelle: Herzliche Grüße <3 ) jetzt nicht hektisch vom Sofa hüpft und mir panisch ein Fresspaket mit einer Jahresüberlebensration an Vitaminpillen schickt ('Aber Kind! Man kann doch nicht nur von Kuchen und frittierten Teigtaschen leben!'), kommt hier zum Abschluss und zur Beruhigung (damit Oma auch gut schlafen kann) noch ein Bild von unserem Wocheinkauf:

Papaya!!! <3

In diesem Sinne: Bis zum nächsten mal und guten Appetit! :)

 

Jetzt wird's ernst! - #1

15Okt2014

So, nachdem in der Vergangenheit versucht hatte meinen Blogeinträgen einen unterhaltsamen Anstrich zu verpassen, muss ich meine treuen Leser jetzt nun vorwarnen: Schluss mit lustig! Heute werde ich über meine Arbeit in der Kinderonkologie berichten und auch auf die Missstände vor Ort hinweisen. Leider gibt es dazu keine Bilder, aber ich habe vor gegen Ende meines freiwilligen sozialen Jahres um Erlaubnis zu bitten, um ein paar Fotos machen zu dürfen. Diese werde ich dann aber auch nicht veröffentlichen, sondern nur privat zeigen. Es fühlt sich irgendwie falsch und wie 'bloßstellen' an, wenn ich sie im Internet öffentlich zugänglich machen würde...

Da ich eben gemerkt habe, dass dieser Bericht extrem lang wird, werde ich ihn kleinere Abschnitte teilen. Heute gibt es eine grobe Beschreibung des Aufbaus der Station und kurz etwas zum Arbeitsweg. Und ich habe extra für euch keine Mühen gescheut und eine wunderschön Skizze zur Veranschaulichung angefertigt :D

Der Arbeitsweg ist zum Vergleich mit Pia, die eine Stunde zu ihrem Kinderheim fahren muss, glücklicherweise recht angenehm: Entweder 40 Minuten laufen oder die selber Zeitspanne mit dem Minibus fahren. Da der Verkehr hier zu Stoßzeiten die Durchschnittsgeschwindigkeit einer beidseitig hüftoperierten Schildkröte annimmt, kommt es auf das Gleiche heraus... Was nicht bedeuten soll, das ich mit derselben Geschwindigkeit laufe! Manche Bolivianer nehmen hier das Leben (oder auch nur den Weg zur Arbeit) eben etwas entspannter. Blöd, dass sie es, wie auch immer, dabei schaffen, den kompletten Gehweg zu blockieren, sodass man sich manchmal regelrecht durchboxen muss... Naja, vielleicht ist das auch einfach nur die Dynamik einer Großstadt; ich als Hinterwäldlerin und weithin (soll heißen: Im Freundeskreis) bekannte Kaff-Expertin aus dem beschaulichen Nassachmühle habe davon ja keine Ahnung :D Hui, ich schweife ab! Jedenfalls:

Zunächst betrete ich die kleine, dreizehn Betten umfassende Station durch eine ständig offenstehende Schiebetür, deren ursprünglicher Sinn, die 'Oncohematologia' mehr oder weniger hermetisch abzuriegeln und nur autorisierten Personen den Zutritt zu gewähren, irgendwie verloren gegangen ist. Immerhin ist davor noch ein Kästchen angebracht, in das man einen Code eingeben könnte, um an die eigentliche Funktion wenigstens ansatzweise zu erinnern, was das an der Tür selber angeheftete Papierschild anscheinend nicht zu erreichen vermag.

 Mit wenigen Schritten durchquere ich den Raum. Zu meiner Linken befindet sich der kleine, abgenutzte Schreibtisch der Licenciadas (deutsch: Krankenschwestern), auf dem sich die Aluminium-Kladden stapeln, in welchen sich aktuellen Krankengeschichten mit den stationären Patienten befinden. Gekennzeichnet sind diese mit beschriftetem Kreppklebeband, wobei die Leserlichkeit von der Handschrift der zum Zeitpunkt der Einweisung Dienst habenden Licenciada abhängt (vormittags: gaaaaaaanz schlecht; nachmittags: sehr ordentlich). Zu meiner Rechten ist der Schreibitsch der Ärzte, der immerhin einen (selten benutzten) Computer aufweist, sowie mindestens zwei Schreibmaschinen und ziemlich viel Papierkram. Zwei Meter weiter, ebenfalls auf rechter Seite, ist die mit Glaswänden abgegrenzte kleine Kammer der Licenciadas, in der sie unter einem Abzug die hochtoxischen Chemotherapien vorbereiten können. Am Ende des Raums auf der selben Seite ist dann noch der minimal größere, ebenfalls mit gläsernen Wänden versehene Vorbereitungsraum der Licenciadas, in denen sie die normalen Medikamente und Infusionen lagern und vorbereiten können. Dieser umfasst ein Waschbecken, eine Ablage und einen Kühlschrank.

An dieser Stelle beginnt dann schon mein deutsches Ordnungssystem (das irgendwie nie in meinem Zimmer daheim Einzug gehalten hat  ) Alarm zu schlagen: Aufgrund des Platzmangels muss alles über- und aufeinander gelagert werden. Allerdings verstehe ich nicht, warum das gleichzeitig ein Durcheinander impliziert: In einem einzigen Wäschekorb unter der Ablage ist irgendwie alles untergebracht: Drei-Wege-Hähne, Braunülen, Infusionssysteme, manchmal Spritzen, medizinisches Klebeband (wenn man Glück hat), Hefte mit Patientendaten, kleine Medikamentenampullen, gelegentlich eine Schere und ab und zu noch Heftpflaster, um gelegte Zugänge zu fixieren.

Auf der Ablage steht in der Ecke eine große Plastikbox, in der die Infusionen gelagert werden. Darauf ruht ein anderer Wäschekorb, der allerdings nur Spritzen mit diversen Volumina enthält. Davor, auch noch teilweise auf der Box, teilweise in der Luft schwebend, liegen noch einige Tabletts und Nierenschalen. Eine insgesamt leicht wacklige Konstruktion, die das einfache Erreichen der Infusionen etwas erschwert.

Zusätzlich auf der Ablage türmen sich dann noch Wattebäuschchen in alten Kaffeedosen, Fläschen mit medizinischem Alkohol, ein paar Tupperdosen mit angebrochenen Medikamenten und mehrere große Plastikbecher, von denen meist zwei oder drei bis oben hin mit Medikamentenampullen gefüllt sind. Allerdings nicht geordnet, sodass Becher 1 nur Medikament A enthält, sondern Medikament A, B, C, D und E. Und wenn man eben mal Medikament F sucht, darf man gegebenenfalls alle drei Becher auskippen, um das gewünschte Präparat zu finden.

Als ich mich einmal erkundigt hatte, warum man nicht einfach alles geordnet in kleinen Kästchen aufbewahrt, die man platzsparend übereinanderstapeln kann, kam die Universalantwort: "Kein Geld!"

Bin ich am Ende des Vorraums angelangt, kann ich mich entweder nach links wenden, und sehe den etwa 10 Meter langen Gang, zu dessen Seiten die Patientenzimmer abgehen (Vier Einzelzimmer mit richtigen Wänden, vier Doppel- und ein Einzelzimmer, die nur durch Glaswände getrennt sind) oder ich kann geradeaus eine Stufe hinaufsteigen und befinde mich im 'Sanitärbereich/Abstellraum'. Soll heißen: Links ist in einer schmalen Nische eine Spüle angebracht, in der die Licenciadas kontaminierte Utensilien mit speziellem Spülmittel reinigen können. Daneben ist ein kleines Bad mit einer Dusche (kaltes Wasser) und einer Toilette in Kindergröße. Geradeaus ist ein winziger Abstellraum, der wild durcheinander Rollstühle und Infusionsständer beinhaltet (keiner davon vollständig intakt, entweder fehlt eine Rolle oder er rutscht ständig nach unten, sodass er mit Klebeband fixiert und nicht verstellbar ist), auf denen immer irgendwelche Klamotten zum Trocknen aufgehängt sind.

Hinten rechts ist ein weiteres Zimmer/Bad, das zwei Toiletten und eine Spüle enthält. Unter der Spüle sind lauter Dinge gelagert, die ich mir noch gar nicht genauer angesehen habe, alte Flaschen, kaputtes Spielzeug etc. Ein wenig befremdlich: Normalerweise sind ZWEI Toiletten durch Kabinen getrennt, um die Privatsphäre zu wahren. Hier steht allerdings zwischen den Toiletten nur eine wacklige Abschirmung, die bedrohlich zu schwanken anfängt, sobald man sie nur minimal berührt. Vor den Toiletten ist ein Gerüst auf Rollen, das mit einem gelben Bettlaken verhängt ist, welches mit kleinen Teddybären und Bällen bedruckt ist. Eigentlich gut gemeint, aber Privatsphäre wäre damit so oder so nicht gegeben, da man trotz Abschirmung sofort beide Toilettenschüsseln im Blick hat, sobald man den Raum betritt. Abschließen geht leider auch nicht - die Türe hat kein Schloss. Also eben lang genug Rufen und Klopfen, bevor man das Zimmer betritt. Nichts für paranoide Toilettengänger ;) Achja, auch hier gilt das Motto: Bring' dein Papier selbst mit!

Und abschließend befindet sich vorne rechts noch eine eigentlich behindertengerechte Toilette - eigentlich. Zum einen werden aufmerksame Leser nun stutzen, da sie ja vorher gelesen haben, dass ich erst einmal einen Absatz hinaufsteigen muss, um dorthin zu gelangen. Zum anderen gibt es das Problem, dass in dem gesamten Raum Gartenstühle, Liegen und altes Spielzeug etc. (habe dazwischen sogar einen alten Mixer entdeckt) bis an die Decke gestapelt sind. So verbleiben in dem breiten Gang etwa dreißig Centimeter, um nach hinten zum Klosett zu gelangen. Ein weiteres Problem: Diese Kammer besitzt als einziger Raum ein Schloss - nur hat niemand den Schlüssel dazu! Und irgendwie spinnt dieses Schloss auch noch, sodass es manchmal einfach zuschnappt und man nicht mehr hineingelangt. Glücklicherweise ist man hier ein großer Meister der Improvisation: Einfach ein Röntgenbild geschnappt, einmal gefaltet und wie eine Scheckkarte zum Aufbrechen der Türe verwendet. Jaja, dieses wohl eher behindertenungerechte Bad hat so seine Tücken... Wenn ich denn Glück habe und das gemeine Schloss nicht zuschlägt, dann ziehe ich mir hier meine Krankenhauskleidung an (man kann alles so geschickt auf den Gartenstühlen ablegen, auf denen man auch immer alte Röntgenbilder findet) und beginne mit der Arbeit.

So, der nächste Teil kommt dann in ein paar Tagen :)

Was ich noch unbedingt anmerken möchte: Bitte, bitte macht euch noch keine absolut fertige Meinung von dem, was ich bisher geschrieben habe. Ich werde zum Abschluss der Jetzt-wird's-ernst-Einträge noch einen Kommentar mit meiner persönlichen Sicht auf diese Zustände schreiben - so schlimm, wie es sich nämlich auch anhört, ist es nicht...

Bis dann!

 

 

 

Lang, lang ist's her...

02Okt2014

..., dass ich einen Blogeintrag verfasst habe, wie ich beschämt zugeben muss.

AAAAAAAABER zu meiner Verteidigung: Ich hatte schon länger geplant, die Tastatur erneut in Beschlag zu nehmen. Doch Schuld an der Verzögerung war der übliche Verdächtige: Nein, nicht der Gärtner. Neeeeeeiiiiiiiiiin, auch nicht der Butler. Sondern -  das Wetter!

STOP, bevor jetzt der Mensch vor dem PC am anderen Ende der Welt die Augen verdreht und mir in Gedanken eine 6 in 'Ausreden-Kreativität' verpasst: Meine ursprüngliche Intention hatte darin bestanden, einmal sonntags mit meiner heißgeliebten Kamera bewaffnet durch La Paz zu marschieren und alles, was mir im hier im alltäglichen Leben begegnet, zu knipsen, um einen möglichst realitätsnahen Eindruck übermitteln zu können. Dazu gehören mein Arbeitsweg zur Klinik, unser Wocheineinkauf auf dem überdimensionalen Sonntagsmarkt (auf dem man einfach ALLES von Haargummis über Gurken bis zu Kochtöpfen und Lamaföten erstehen kann), die unzähligen Mini-Tante-Emma-Läden an der Straße und viel mehr. Nun ist es aber so, dass sich aus unerfindlichen Gründen (die plötzlich gar nicht mehr so unerfindlich sind, wenn man den Klimawandel nicht als bewusst gestreutes Gerücht der Öko-Mafia abtut) seit 4 Wochen immer genau dann am Wochendende ein Regenschauer ergießt, wenn wir einkaufen, wandern oder eben auf Fotojagd gehen wollen. Blöd, nicht wahr? Selbst die einheimische Bevölkerung reagiert verwirrt auf diese unerwarteten Wolkenbrüche, da nicht einmal Regenzeit ist.

Tja, und jetzt? 'Abwarten und Cocatee trinken!' lautet meine Devise :) Der exklusive Bericht aus dem (vielleicht doch nicht gaaaanz so extrem) spannenden Leben der Julia H. wird kommen! Um euch die sicherlich unerträglich erscheinende Wartezeit zu verkürzen und das vor Enttäuschung erhitzte Gemüt zu besänftigen, kommen hier noch ein paar Bilder und eine kleine Erzählung zu vergangenem Samstag:

Es waren einmal (jaah, alle guten Geschichten fangen damit an! Deswegen: Es war einmal) eine Pia und eine Julia auf der weiten Welt, die sich unversehens in der großen, überfüllten Millionenstadt La Paz wiederfanden. Durch einige mehr oder weniger mysteriöse Umstände namens Internet trafen sie sich mit zwei weiteren deutschen Freiwilligen, welche einer anderen Organisation angehörten und die es ebenfalls nach Bolivien in genannte Großstadt verschlagen hatte. Während einer geselligen Runde bei Bier und Erdbeermilchshake (der übrigens himmlisch schmeckte), beschlossen Pia und Julia sich den beiden Jungs anzuschließen, die für den kommenden Samstag zusammen mit ihrer Gastfamilie, einer weiteren Mitfreiwilligen sowie deren Mentorin vor Ort eine Wanderung zum 'Muela del Diablo' (deutsch: Backenzahn des Teufels) geplant hatten. Dieser von einer netten Legende umwobene Berg befindet sich in der Zona Sur von La Paz und sein Einstieg ist recht gut mit den Minibussen zu erreichen

So wurden am besagten Samstag nach einem ausgiebigen Frühstück (Salteñas!) fleißig Proviant eingepackt, die Wanderstiefel geschnürt und der widrige Weg zum Treffpunkt angetreten (der übrigens wirklich widrig war! Stau ohne Ende  25 Minuten für eine Wegstrecke von etwa 4 km, bis er sich endlich auflöste und es weiterging...). Nach einer kurzen Begrüßungsrunde verteilten sich die mutigen Wanderer auf zwei weitere Microbusse, um an den Fuß des berüchtigten Berges zu gelangen und sogleich den Anstieg in Angriff zu nehmen.

Der 'Einstieg'

Selbst das zwischendurch drohende Unwetter vermochte es nicht, die Todesmutigen von ihrem gewagten Vorhaben abzubringen.

Das Unwetter blieb glücklicherweise zunächst aus...

Schon einige Zeit und nur wenige Höhenmeter später wurde die unerschütterliche Entschlossenheit der umherziehenden Gefährten mit einigen fantastischen Ausblicken belohnt:

 

  Beweis, dass wir auch wirklich dort waren :D

Teilweise hatte die Landschaft etwas grotesk anmutendes, dem man sich einfach nicht entziehen konnte und das die Entstehung der Legende sowie die Assoziation mit dem Teufel nachvollziehbar erscheinen ließ...

Außerdem verstand man auch, warum Bolivien gerne als 'Land der Vielfalt' bezeichnet wird:

Vordergrund - Steppengebiet mit zufällig auftretendem Laubbaum

Mitte - Großstadt

Hintergrund - Schweizer Alpen

Vielfalt

Nach etwa 25 Minuten Wegstrecke tauchte sodann die legendäre Felsformation zum ersten Mal am Horizont auf:

Der erste Blick

Zunächst hatte die Gruppe eine kleine Siedlung zu umrunden, die sich am Fuße des Berges niedergelassen hatte...

Siedlung

Örtliches Schwimmbad (Vorsicht! Sarkasmus :D )

Dann und wann wurden waghalsige Sprünge zur Seite nötig, um gefährlichen Vehikeln auszuweichen, welche monströse und furchterregende Geräusche von sich gaben ;)

Papa gewidmet :)

Tiefe, tiefe Schluchten mussten überwunden werden...

Die 'tiefe' Schlucht :D

Und so kam es, dass die abenteuerlustige Schar ihrem eigentlichen Ziel nun Auge in Zahn gegenüber stand:

La muela del diablo

Anhand diesen Bildes wird es wohl ziemlich ersichtlich, warum sich die Felsformation den Beinamen 'Backenzahn des Teufels' eingefangen hat. An dieser Stelle ist es auch passend, die schon erwähnte, kleine Legende des Berges zu erzählen (Quelle: bolivianisches Wikipedia):

Man sagt, dass während einer Feldschlacht zwischen Engeln und Dämonen im Himmel einer der Erzengel stark ausholte und einem Dämonen den Backenzahn ausschlug, welcher an dieser Stelle auf die Erde fiel und bis heute dort erhalten ist. Außerdem sollen Besucher des Berges verzaubert werden und es ranken sich Mythen um angebliche Gespenster und verschwundene Personen aus der Nähe des 'Zahnes'.

Obwohl der sich seit einiger Zeit ankündigende Regen schließlich doch zu Boden fiel, entschlossen sich einige der Mannschaft nach einer kurzen Stärkung trotzdem zum endgültigen Aufstieg, um die 'Mission' zu vervollständigen, während der Rest unter einem kleinen überdachten Rastplatz wartete.

Nachdem die dezimierte Gruppe es unter größten Anstrengungen und Qualen schlussendlich geschafft hatte die oberste Spitze des Teufelszahn zu erklettern, sprang auf einmal unter Donnergetöse ein Dämon hinter einem Felsvorsprung hervor und versuchte, einen der Gefährten mit sich in die Tiefe zu reißen. Es war die arme Pia, die das Unwesen erwischt hatte. Doch nach einem absolut unglaublichen und legendären Kampf, in dem sie das Monster in den Abgrund stieß und sich selbst gerade noch am Rande des Gesteins festhalten konnte, wurde sie von den anderen wieder nach oben gezogen und zu ihrem fantastischen Sieg beglückwünscht. Jedoch nicht, ohne vorher ein Beweisfoto gemacht zu haben:

Nach dem Kampf :D

Nach diesem außergewöhnlichen Vorfall machten sich die 5 Überlebenden unter strömendem Regen wieder an den Abstieg. Nachdem dieser vollbracht war, hörte natürlich - wie war es auch anders zu erwarten - der Regen auch wieder auf.

An diesem Tag wurde zum Abschluss ein rauschendes Fest mit prächtigen Speisen veranstaltet, damit das Überleben der Pia und das überstandene Unterfangen gebührend gewürdigt wurden.

 

 

 

So, jetzt kann sich jeder selbst seine Gedanken dazu machen, was tatsächlich vorgefallen ist und welcher Teil der Realität eventuell unter dem Zauber des Teufelszahn etwas verzerrt wurde

Jedenfalls war es ein sehr schöner Tag und die Wanderung hat sich definitiv gelohnt! Zum Schluss noch ein Foto, anhand dessen man sich ungefähr vorstellen kann, wo Pia und ich wohnen:

Da wohnen wir!

Also, wie versprochen kommt demnächst ein kleiner Einblick in unseren Alltag. Außerdem werde ich hoffentlich auch bald einmal die Gelegenheit finden und über etwas ernstere Themen aus Bolivien zu berichten, wie mein Arbeitsleben auf der Kinderonkologie oder das allgegenwärtige Müllproblem.

Bis dann! (und nehmt euch vor Dämonen in Acht! :D )

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

24Aug2014

Wer erinnert sich an den Anfang meines letzten Blogeintrags? Zur Hilfe für die Vergesslichen (oder auch einfach nur die, die zu faul zum herunterscrollen sind), irgendwo dort kamen die Worte '...mangels einer Bademöglichkeit vor Ort...' vor. Tja, wer sich nicht informieren kann, muss leiden. Vorerst genug mit schlechten Umwandlungen von Sprichwörtern, die Bilder sprechen für sich:

Faszination.

   

Wer sieht das Pferd?

Vegetation #1

Vegetation #2

Eingang zu den 'Siete Cascadas'

Kletterpartie :)

Stufe 4

Spätestens hier fing ich an, mein Schwimmzeug schmerzlich zu vermissen...

Unbearbeitet! Das Blau war wirklich so - und noch viel schöner...

Stufe 6 - der härteste Kletterteil, um dort hinaufzugelangen. Hat sich definitiv gelohnt!

'Es ist zu schön, um wahr zu sein - im Mittelpunkt der Euphorie!' - Madsen

 

Der Rückweg: 'Wir machen uns auf den Weg zurück auf den Boden der Realität' - Madsen

So, nachdem die Bilder in ihrer schweigenden Eloquenz verdeutlicht haben, was Worte nicht zu beschreiben vermögen, kann ich ja wieder reden :D Nachdem wir Samstagvormittag vier Stunden im Sprachkurs über Anwendungsmöglichkeiten des Subjuntivo gestöhnt hatten, machten wir uns unmittelbar danach auf den Weg zu den sieben Wasserfällen, die etwa eine halbe Stunde mit dem Microbus von Sucre entfernt sind. Für die Fahrt dorthin zahlt man umgerechnet etwas mehr als 10 Cent. Sobald man aus der Innenstadt herauskommt, werden die Häuser ärmlicher und die kärgliche Landschaft gewinnt die Oberhand, bis man zum Schluss auf ungeteerten Straßen dahinrattert. Die Wanderung an sich war nicht sehr lang, vielleicht eine Stunde bis zum 5. Wasserfall, wobei ein Großteil der Zeit auch für einige Kletterpartien verwendet werden musste. Der Aufstieg zur vorletzten Stufe war der Härteste: Ein Überhang, der alleine kaum zu bewältigen war, weswegen einer von oben zog und die anderen von unten schoben. Glücklicherweise hatten wir ja alle auf dem Vorbereitungsseminar von unseren lieben Teamern immer wieder mehr oder weniger lustige Gruppenzusammenhaltswasauchimmerspiele vorgeschlagen bekommen, um das Vertrauen in die anderen zu steigern, was sich hier mehr als nötig war... Auf den Bildern sieht es leider nicht so schlimm aus! :D

 

Jedenfalls hatte man auf dem Rückweg zwei Optionen: Entweder auf dem gleichen Weg zurück, wie man hochgekommen war - oder springen. Und zwar von hier herunter:

BILD

 

Anfänglich hatte ich mich für die Kletteralternative entschieden. Nachdem ich aber auf dem mittleren Vorsprung stand, stellte ich fest, dass eins noch schlimmer ist, als einen Überhang hinaufzusteigen: Überhänge hinunterzuklettern. Nachdem dann auch noch eine Mitfreiwillige vor mir an dieser Stelle ausgerutscht und in voller Montur ins Wasser gefallen war, wählte ich doch lieber freiwillig die nasse Option. Also Schuhe, Brille und T-shirt aus und ab nach unten. Gedanke oben: Ich bin lebensmüde! Gedanke unten: Wie geil ist das denn?! Na also, ging auch ohne Badezeug. Man muss nur flexibel sein.

Wie auch sonst konnte man hier erneut enorme Unterschiede feststellen: In Deutschland wäre eine solche Wanderroute von Warnhinweisen, Seilen zum Festheben und Hilfssteigeisen im Felsen nur so überfüllt gewesen. Hier war einfach nichts, außer Müll, der zeitweise wie Seerosen eine große Fläche der Wasserlachen bedeckte. Insgesamt gibt es hier in Bolivien ein großes Müllproblem, aber dazu in einem anderen Blogeintrag.

Zum Schluss möchte ich noch anmerken, dass ich immer alle Kommentare und Nachrichten lese und mich sehr darüber freue! Gerne mehr davon ;) An alle ganz liebe Grüße zurück und ein riesiges Dankeschön, dass ihr an mich denkt und meine Erlebnisse hier mitverfolgt.

Auf geht's, ab geht's!

12Aug2014

Vergangenen Sonntagabend war es wieder soweit: Pack' die Baaadehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein und dann nischt wie raus...

Mangels einer Bademöglichkeit an unserem Zielort als auch eines weiblichen Geschwisterchens wurden doch nur die üblichen Dinge, die man so als Backpacker benötigt, in den Rucksack gepackt und Pia und ich verließen unsere kleine, inzwischen heimische Wohnung in La Paz, um uns auf den Weg nach Sucre zu machen.

Unser anfänglicher Plan einfach zum Busterminal zu laufen verwehte sich spätestens nach 5 Minuten zusammen mit sämtlichen Abgasen in den bergigen Straßen von La Paz im Winde. Mit zwei Rucksäcken, Schlafsack und Umhängetasche beladen bergauf zu hasten und sich dabei innerhalb von kurzer Zeit eine Lunge anzuatmen, die der eines 10-jährigen Kettenrauchers starke Konkurrenz macht, ist halt doch nicht so cool. Aber da Taxifahren hier weder teuer (1 Euro)  noch unüblich ist und man sich daher nur für höchstens, wenn es lange dauert, zwei Minuten an den Straßenrand stellen muss, hatten wir schnell ein Transportmittel gefunden. Während der Fahrt entwickelte sich ein kurzer Smalltalk mit dem netten Taxifahrer, der Deutschland sporadisch kannte. Wie sehr sporadisch wurde mir klar, als er fragte, ob man sich bei uns immer noch mit dem Ausruf begrüßt, welcher um die Zeit des zweiten Weltkriegs unter dem heutzutage eher wenig beliebten Führer stets verwendet wurde. Nach anfänglicher Perplexität erinnerte ich mich an meine ehrenvolle Aufgabe (du weißt schon, interkultureller Austausch und so) und klärte ihn über die heute hauptsächlich vorherrschende Meinung in Deutschland über diese Grußformel auf. Allerdings war ich nicht so ganz überzeugt, ob ich es geschafft hatte, ihn davon zu überzeugen...

"Und so hatten es Pia und Julia an diesem sonnigen Nachmittag durch eine Fügung des Schicksals und diese kurze Fahrt geschafft, nicht nur ihr Lungenkrebsrisiko, sondern auch das große Universum der falschen Vorurteile zumindest ein wenig zu reduzieren... ENDE!"

Okay, nein, Ende kommt erst in 340 Tagen. Jedenfalls mussten wir noch unsere Tickets für den Schlafbus nach Sucre kaufen und konnten nach etwa 45 Minuten Wartezeit, die mir zu diesem Zeitpunkt noch lang erschienen, unsere 12 Stunden dauernde Reise antreten. Was tatsächlich eine wirklich lange Wartezeit ist, sollte ich in den nächsten beiden Tagen zu genüge kennenlernen...

Die Fahrt nach Sucre fand ich persönlich nicht so angenehm wie die Reise nach La Paz, was aber auch daran gelegen haben kann, dass wir die Karten zu spät, also direkt vor der Abfahrt, gekauft hatten und daher die schlechtesten Plätze im Bus bekamen: Die neben der Toilette -.-

Nach einer eher minder durchschlafenen Nacht sichteten wir um 7 Uhr morgens die ersten Häuserspitzen von Sucre, die durch die aufgehende Sonne in gleißendes Licht getaucht waren, was dem Beinamen 'Die weiße Stadt' alle Ehre verlieh.

Der wundervoll expliziten Wegerklärung von Lourdes folgend ("Wenn ihr rauskommt erst links bis zur Ecke und dann wieder rechts") stolperten wir leicht fertig durch die Stadt. Entgegen aller Erwartungen war diese Beschreibung tatsächlich sehr zutreffend und nach 5 Minuten Fußweg (gleiches Gepäck, weniger Abgase) gelangten wir zu unserem zu Hause für die nächsten 3 Wochen: Eine Jugendherberge in Sucre.

Hier in dem Hostel treffen sich zur Zeit fast alle Teilnehmer des IJFD von Volunta in Bolivien, um den Sprachkurs zu absolvieren. Gleichzeitig ist auch noch der Großteil der weltwärts-Gruppe da, um mit uns gemeinsam die Formalitäten zu erledigen, die zur Ausstellung unseres Visum von Nöten sind.

Die folgenden zwei Tage hatten wir immer genug damit zu tun, von Behörde zu Behörde zu rennen, hier eine Unterschrift zu leisten, da ein Passfoto vorbeizubringen, zwischendurch eine Blutprobe abzuzapfen und gefühlt überall die Abdrücke sämtlicher Finger abzugeben, die man als menschliches Individuum so besitzt. Vor allem aber galt eins: WARTEN. Von 10 Stunden, die wir in den ganzen Ämtern herumsaßen, kamen gefühlt 30 Minuten auf reine Produktivität zurück, der Rest verfloss ungenutzt im ewigen Strom der Zeit. Aber bei 20 Leuten, die dasselbe Prozedere durchlaufen müssen, ist es klar, dass man viel Geduld aufbringen muss. Die wird allerdings ganz schön auf die Probe gestellt, wenn man einen ganzen Vormittag vor der Polizeistation hockt und vergeblich auf die Passfotos wartet, weil der Fotoladen sie blöderweise irgendwo verlegt hat und erst einmal danach suchen muss... Gelassenheit lautet da die Devise - oder einfach ein Buch einpacken.

Mittlerweile hat sich auch hier so ein kleiner Alltag eingestellt: Frühstücken, Blog schreiben/lernen/Sport machen/whatever, Mittagessen, Hausaufgaben (viiiiiiiiiiiele Hausaufgaben! Und ich dachte, ich hätte das endlich hinter mir Nein, Quatsch, macht eigentlich sogar Spaß, weil man das Gelernte gleich anwenden kann), Sprachkurs, Abendessen, gemütlich zusammensitzen/in die Stadt gehen/Tagebuchschreiben/...

Im Moment ist es noch sehr schön, dass alle als große Gruppe zusammen sind und wir genießen die gemeinsame Zeit, aber in etwa 2 Wochen kehren alle an ihren Arbeitsplatz zurück und dann geht's mit frischen Sprachkenntnissen ran an den Speck!

Momentan gibts leider keine neuen Bilder, aber ich bemühe mich, das nachzuholen!

Liebe Grüße aus Sucre

First Impressions

04Aug2014

Nun gut, meine lieben Freunde, hier kommt ein großer Schwall an ersten Eindrücken aus diesem faszinierenden, kontrastreichen, lauten, chaotischen und spannenden Land. So denn, machet es Euch bequem, leget die Füße hoch und lasset Euch einen Cocatee kredenzen. Ach, das habt Ihr nicht? Tja, Pech gehabt, ich nämlich schon!

Coca

Coca wird hier angeblich an jeder Ecke verkauft - auch wenn wir bis jetzt noch nicht so viele Stände gesehen haben. Dennoch erblickt man immer wieder vorwiegend ältere Leute mit einem Beutel voller Coca an der Seite, aus dem sie in regelmäßigen Abständen die kleinen, grünen Blätter hervorziehen und in ihre Backe stopfen, um sie dort zu einem Ballen zu zerkauen. Auch unser Busfahrer auf der 18 Stunden andauernden Reise nach La Paz war damit ausgestattet. Das ist hier so etwas wie der Ersatz für den recht teuren Kaffee, denn die Pflanze hilft nicht nur gegen einsetzende Hunger- und Durstgefühle, sondern hält auch die Konzentration auf gleichbleibend hohem Niveau. Für uns Gringas (so werden hier die Touristinnen genannt, eigentlich auf Nordamerikaner bezogen, mit leicht abwertender Konnotation), die das Kauen der Blätter doch etwas gewöhnungsbedürftig finden, werden die Blätter einfach mit heißem Wasser aufgegossen und als Tee serviert, was anscheinend gegen die Höhenkrankheit helfen soll, indem es die Sauerstoffaufnahme im Blut verbessert. International gesehen hat die Wunderpflanze leider keinen allzu guten Ruf - sie dient als Basis für das allseits bekannte Kokain. Dennoch kämpft der derzeit amtierende Präsident Evo Morales für die Legalisierung, da sie in unverarbeitetem Zustand keine schlechten Nebenwirkungen verursacht und der Export den Cocabauern hier eine deutlich bessere wirtschaftliche Situation bescheren würde.

Interessierte können hier gerne die nette Legende nachlesen, die sich um die Cocapflanze rankt.

 

Der Verkehr

Nun ja. Der Verkehr ist so eine Sache hier. Jeglicher deutsche Fahrlehrer würde spätestens nach einer halben Stunde schweißgebadet in eine psychatrische Klinik eingewiesen werden müssen, um das traumatische Erlebnis verarbeiten zu können. Verkehrsregeln? Völliger Quatsch, damit kommt man doch sowieso nur später ans Ziel; wenn ich als Erster an der Kreuzung war, dann darf ich gefälligst auch als Erster fahren! Der Vollidiot vor mir merkt mal wieder nicht, dass ich am überholen bin - der bekommt meine Hupe zu spüren! Ampeln? Haben die etwa noch einen anderen Zweck, als die Stadt ein wenig bunter zu gestalten? Blinker? Witzige Apparatur, um das Fahren wesentlich spaßiger zu machen, und wird nur eingesetzt, wenn mir spontan danach ist (oder auch nicht), was sonst?! Ach, und dann gibts da noch die Fußgänger: Nervige Gestalten am Rande des Blickfelds, die von Zeit zu Zeit das Bedürfnis verspüren, mir in die Fahrbahn zu laufen - Frechheit! Als ob so jemand eine Daseinsberechtigung vorzuweisen hätte.

Okay, jetzt mal im Ernst: Gaaaaaaanz so schlimm ist es dann doch nicht, aber Ampeln werden wirklich selten beachtet und als Passant kommt es nicht selten vor, mehrere Zeit an der grünen (!) Fußgängerampel zu stehen, bis man sich zwischen zwei Autos hindurchquetschen kann, die momentan aufgrund des dichten Verkehrsaufkommen zum Stillstand gezwungen sind. Jeder Deutsche antwortet auf die Frage, welches denn das wichtigste Utensil im Auto ist, sicherlich mit Motor, Reifen oder Bremsen. Jeder Bolivianer antwortet mit Hupe. Garantiert! Die wird nämlich ständig eingesetzt, egal um ein Überholmanöver oder das Abbiegen anzukündigen, seiner Ungeduld in einem Stau Luft zu machen, den ewig störenden Fußgängern eine Lektion zu erteilen oder auch gelegentlich einfach so aus einer spontanen Laune heraus  (Vorsicht, Subjektivität und Generalisierung am Start!). Wundersamerweise sind wir bis jetzt noch kein Zeuge eines Unfalls geworden...

Wenn es einmal zu viele Leute im Taxi gibt, wird eine unglückliche Seele eben kurzerhand in den Kofferraum verbannt und darf die weitere Fahrt im Liegen genießen. Geht nicht gibt's nicht!

Glücklicherweise hat die Regierung gegen dieses unbeschreibliche Chaos eine Aktion ins Leben gerufen: Neben Mitgliedern des Militärs, die an wichtigen Stellen zumindest den mehr oder minder erfolgversprechenden Versuch wagen, ein wenig Struktur in das Durcheinander zu bringen, gibt es die Zebras - aber zu denen gibt es erst nähere Infos, wenn ich endlich ein Bild davon habe ;) Seid gespannt!

Sonstiges

Tja, was gibt es sonst noch so zu erzählen? Überall gibt es nette, kleine Wegbegleiter: Die Ameisen. Egal ob im Schlafzimmer, dem Bad, der Küche oder selbst in der Klinik - ÜBERALL!!! Wie ich sie doch vermissen werde, diese absolut niedlichen Tierchen -.-

Meine lieben Leute, die mich kennen, wissen sicherlich über meinen gelegentlich doch an exorbitante Mengen grenzenden Teekonsum Bescheid. Der hat sich hier in der Zwischenzeit verdreifacht. Aber aus reiner Not heraus! Denn hier gibt es keine Heizungen. Die wenigsten können sich dieses Luxusgut leisten (das Krankenhaus gehört übrigens auch nicht dazu), weswegen hier andere Mittel greifen müssen: Warme Decken, dicke Socken, Jacken und Pullis sowie Heißgetränke jeglicher Art. "Aber Julia,", wird jetzt so mancher mit gut gemeintem Lächeln und leichtem Kopfschütteln denken, "stell' dich doch einfach einmal unter die heiße Dusche und die Kälte wird im Nu' verfliegen!" NEIN, HERRJE, WIRD SIE NICHT! Weil es auch keine richtig heißen Duschen gibt, zumindest nicht in unserer Wohnung (und - Überraschung! - ebenfalls nicht im Hospital). Wir haben hier einen Durchlauferhitzer, der lediglich funktioniert, wenn man das Wasser so hindurchlaufen lässt, damit der Strahl den Durchmesser eines mittelmäßigen Rinnsals aus dem Wasserhahn hat. Dadurch hat sich im Übrigen auch die zum Duschen benötigte Zeit verdreifacht.

Doch einmal im Ernst, so schlimm es sich möglicherweise anhören mag: Man kann sich mit allem irgendwie arrangieren und daran gewöhnen (sitze momentan im T-Shirt hier - HA!) und es ist wirklich schön hier. Ich habe mich nach den anfänglichen Startschwierigkeiten schon richtig in unsere kleine Wohnung eingelebt und finde sie auch sehr gemütlich. Auch die Stadt bietet in ihrer Mischung aus ärmlichen Fassaden und modernen Gebäuden immer wieder fasziniernde Anblicke, die von zeitweise aufblitzenden Aussichten auf das umgebende Gebirge gekrönt werden.

Außerdem fällt mir die herzliche Mentalität der Leute auf. Egal, ob es sich um soeben erst vorgestellte Arbeitskollegen, Freunde von Bekannten, Mentoren oder die eigene Schwester handelt: Jeder wird sofort mit einem Küsschen und einer Umarmung begrüßt. Vorbei mit grotesk anmutenden Situationen der Verabschiedung/Begrüßung, in denen man innerhalb von Momenten zwischen Lächeln, Kopfnicken, Grußwort, Händeschütteln oder Umarmung hin- und hergerissen ist und sich schlussendlich in einem Knäul aus Extremitäten, anstoßenden Köpfen und seltsam klingenden Lauten wiederfindet!

Es gibt noch SO viel mehr zu erzählen, aber ich denke, dass es für's Erste genug ist :) Hasta luego!

La Paz - Die ersten Tage

28Juli2014

Die (besseren) Reisebusse in Bolivien sehen anders aus, als man es in Deutschland gewohnt ist: Nichts mit harten Sitzen und einem Abstand zum Vordersitz, der anscheinend anhand der Beinlänge eines Vorschülers bemessen wurde. Stattdessen gibt es auf zwei Etagen verteilt thronartige Sessel mit federweichem Polster und einer Beinfreiheit, die selbst Dirk Nowitzki ihre Freude bereiten würde. Jedem begeisterten Liebhaber von Luxus muss ich nun leider das Glänzen in den Augen mildern, indem die ganze Ausstattung mittlerweile an die 20 Jahre, wenn nicht mehr, auf dem Buckel hat. Nichtsdestotrotz ist ein eine sehr angenehme Art und Weise zu reisen: Gegen Abend steigt man in den Bus, schläft die Nacht über wie auf einem Liegestuhl und erreicht am nächsten Vormittag seine Destination. Einzig und allein den Schlafsack sollte man nicht vergessen, denn dann kann es bei Temperaturen um den Nullpunkt in dem unbeheizten Vehikel doch etwas ungemütlich werden.

Als Pia und ich am Busterminal in La Paz ankamen, das an einen großen Bahnhof erinnert, wurden wir von Lourdes und Jenifer in Empfang genommen. Die beiden sind für die Organisation in La Paz verantwortlich und werden uns jederzeit bei Fragen oder Problemen zur Seite stehen. Zunächst konnten wir unsere Sachen in einem Hostel unterbringen und uns kurz erholen. Ich hatte mit der Höhe (3600m – 4000m), bis auf ein schnell vorübergehendes dumpfes Gefühl im Kopf, glücklicherweise keine Probleme, aber Pia litt leider unter starken Kopfschmerzen. Daher wurde ich allein von Jenifer in der Umgebung herumgeführt und Pia wartete im Hostel, bis wir zurückkamen und ihr Cocablätter, die wir wie Tee verwenden, und Sorochipillen mitbrachten. Die beiden Mittel schlugen an, Pia ging es viel besser und so gingen wir beide zusammen mit einem Mexikaner, den wir in der Jugendherberge kennen gelernt hatten, Empanadas essen.

Auf eine dieses Mal wirklich erholsame Nacht folgte das erste Highlight: Wir zogen in unser Apartement ein. Es befindet sich ziemlich im Zentrum von La Paz und besteht aus einem Schlafzimmer für Pia und mich, einer Küche und einem Bad. Klein, aber nett, lediglich die Toilettenspülung ist nicht voll funktionstüchtig, aber darum werden wir uns nächste Woche kümmern.

Nachdem wir unsere Sachen eingeräumt hatten, nahm uns dieses Mal Lourdes mit und zeigte uns ein wenig die Stadt. Als dann Jenifer dazukam, kauften wir uns ganz einfache Handys und richteten sie sofort ein, damit wir immer Kontakt zu den beiden haben, falls etwas schief geht. Das war auch mehr als nötig, aber dazu später.

Jenifer verabschiedete sich wieder und wir gingen zusammen mit Lourdes etwas zu Mittagessen – el almuerzo auf Spanisch. Es gab ein typisch bolivianisches Gericht: Eine Suppe mit Hähnchenschenkel, Reis, einer Kartoffel und Tunta. Tunta ist eine ehemalige Kartoffel, die durch einen aufwendigen Prozess lange haltbar gemacht wird und vor Verzehr 24 Stunden in Wasser eingelegt wird, bis man sie anschließend ganz normal kocht. Ich habe lange überlegt, aber es fällt mir geschmacklich nichts vergleichbares ein. Die Konsistenz ist die einer zu kurz gekochten Kartoffel.

Im Anschluss besuchten wir den ersten Einsatzort von Pia. Sie arbeitet etwas außerhalb der Stadt von Donnerstag bis Samstag in einer Art Kinderbetreuung, die eine Mischung aus Spiel und Lernen für Kinder und Jugendliche anbietet. Die Kinder dort kommen zum Teil aus sehr armen Familien und die Eltern haben kaum Zeit für ihren Nachwuchs, sodass die Betreuung eine wilkommene Abwechslung darstellt. Der Ausblick dort ist fantastisch, denn man kann die gesamte Stadt überblicken.

Aber das hat natürlich seinen Preis, denn es wird ziemlich schnell ziemlich kalt. Überhaupt ist La Paz im Moment recht frisch, nachts Temperaturen um den Nullpunkt oder sogar darunter und tagsüber an die 11-18 Grad, je nachdem ob die Sonne scheint und auf welcher Höhe man sich befindet. Ich bin gespannt, ob es im Sommer wärmer wird, oder ob die Jahreszeiten in dieser Höhe keinen Einfluss zeigen.

Als wir abends wieder zur Wohnung zurückkehrten, verabschiedeten wir uns von Lourdes und erledigten noch schnell die ersten Einkäufe. Allerdings gelangten wir anschließend nicht mehr in unsere Wohnung. Die Vortür zu unserem Apartement, ein recht einfaches Gitter, ließ sich partout nicht öffnen. Auch eine Nachbarin konnte uns nicht helfen und so mussten wir Lourdes benachrichten. Sie allerdings befand sich schon zu Hause, das eine Stunde entfernt ist, und konnte uns auch nicht beistehen. Doch zwei Minuten später eilte schon Jenifer herbei, die von Lourdes angerufen wurde und zum Glück noch ihre Familie im Haus gegenüber besucht hatte, und erklärte uns den etwas schwierigen Mechanismus, der eigentlich gar nicht so schwierig ist :D

Am Sonntag, also heute, hatten wir einen freien Tag und nahmen an einer wirklich interessanten Stadtführung teil, die von zwei Studentinnen angeboten wird. Das hat sich wirklich gelohnt, denn in La Paz verliert man ziemlich schnell den Überblick und man kam in Ecken, die man alleine nicht finden würde. Zusätzlich bekamen wir eine Menge interessanter Hintergrundinformationen. Danach besuchten wir noch einmal zusammen mit dem Mexikaner, den wir wieder während der Tour getroffen hatten, den Markt und deckten uns mit warmen Alpakaartikeln ein, die man hier wirklich benötigt. Als wir anschließend nach Hause kamen, fanden wir nicht auf Anhieb den Eingang zu unserer Wohnung – hier sieht aber auch alles gleich aus :D

Doch Handy sei Dank erreichten wir die Hausbesitzerin, die uns die genaue Hausnummer mitteilte und wir stolperten ziemlich erleichtert in unser Apartement.

Morgen lerne ich endlich meine Einsatzstelle kennen, darauf bin ich sehr gespannt.

Okay, das war jetzt ein ziemlich langer Eintrag, aber es ist eben alles so neu und man hat so viel zu erzählen :) Bis dann!

 

PS: Ratet mal, wer Sonnenbrand hat. Und das trotz 50+ Sonnencreme -.-

Oh, und dass ich überhaupt nichts von der Höhe spüre, stimmt auch nicht so ganz. Mein Ruhepuls lag am Anfang bei 100, mittlerweile bei 80 Schlägen pro Minute und jeder kleine Berg fühlt sich an wie ein 200m-Sprint :D

Und wem ich erzählt habe, dass es hier nicht brennen kann, das entspricht ebenfalls nicht der Realität. Wir haben gleich am ersten Tag hier einen Kabelbrand in der Stadt erlebt, der durch das riskante Klettermanöver eines Polizisten gelöscht wurde.

 

Ankunft in Santa Cruz

27Juli2014

Unser Flug von Frankfurt über Madrid und Lima nach Santa Cruz, das noch im Tiefland liegt, verlief glücklicherweise ohne Probleme, bis auf ein liegengebliebenes Kissen einer Mitreisenden während dem Zwischenstopp in Lima und leichten Turbulenzen vor der Landung in Santa Cruz.

Direkt beim Aussteigen wirken die Wärme und extreme Luftfeuchtigkeit wie eine Wand, gegen die man aus vollem Lauf prallt – und das im Winter! Ach übrigens, wem auch immer ich erzählt habe, dass die Reise nur 22 Stunden dauert: Ist ja nicht so, dass ich gerade Abitur gemacht habe und Dinge wie Zeitverschiebung locker mit einkalkulieren können sollte. Insgesamt waren es dann doch 28 Stunden

Jedenfalls, nach einer kurzen Panikattacke, weil meine Rucksäcke ziemlich spät auftauchten und ich schon sämtliche Horrorszenarien durchgespielt hatte (Rucksack hat sich im Flugzeug verhakt und ist hängen geblieben/bei einem der Zwischenstopps in ein falsches Flugzeug verfrachtet worden/aus welchen Gründen auch immer nicht durch den Zoll gekommen/...), wurden wir alle von Max und Nacira in einem abenteuerlich alt aussehenden Minibus abgeholt.

Ankunft Flughafen

Max koordiniert den gesamten Ablauf in Bolivien und Nacira ist für Santa Cruz zuständig. Kaum im Hostel angekommen, konnten wir uns nur kurz frisch machen, denn noch am gleichen Abend wurden wir von Max in ein tolles Restaurant mit einem fantastischen Ausblick eingeladen.

Nach einer kurzen Nacht (meine innere Uhr war immer noch auf Deutschland eingestellt, bin also morgens um halbfünf aufgewacht) unterliefen wir einer kurzen Einführung von Max, der uns unter anderem über die politische Situation in Bolivien aufklärte. Danach hatten wir ein wenig Zeit, um uns mit notwendigen Utensilien für die anstehende Busfahrt in unsere jeweiligen Städte einzudecken. Neben Proviant gehört dazu Klopapier. Das ist hier nämlich Privatsache.

Also gut, mit wehender Klopapierfahne im Gepäck wurde der Großteil der Gruppe anschließend an der Jugendherberge abgeholt und zum Busterminal verfrachtet. Zu dem kleineren Teil gehörten – natürlich, wer hätte es anders erwartet– ich und zwei andere. Es war einfach ein Taxi zu wenig gekommen :D Doch nach einer schnellen WhatsApp-Nachricht an Nacira, deren Nummer wir glücklicherweise am Vormittag erhalten hatten, wurden wir schlussendlich doch noch an den Zielort gebracht. Dort drückte Nacira jedem sein Busticket in die Hand, das Gepäck wurde ein weiteres Mal in fremde Hände gegeben und die 18 Stunden lange Fahrt nach La Paz konnte beginnen.

Vorbereitungsseminar & Abschied

19Juli2014

In den letzten Wochen ist wieder einmal so viel passiert, das es schwer wird, allem gerecht zu werden und es ausführlich zu erzählen, deswegen alles in der Kurzfassung:

 

Das Vorbereitungsseminar

Vom 26.07 - 06.07. fand in einer Jugendherberge in Wiesbaden unser Vorbereitungsseminar statt, das von Volunta organisiert wurde. Die 10 Tage waren von vorn bis hinten voll gepackt mit Programm, das uns so gut wie möglich auf das bevorstehende Jahr vorbereiten sollte. Die insgesamt 70 Teilnehmer wurden in Gruppen aufgeteilt, je nachdem in welchem Land - Bolivien, Ghana, Namibia und Australien - man gastieren wird. Meine Boliviengruppe bestand aus 25 Personen und wurde die Zeit über von zwei wahnsinnig netten Teamerinnen begleitet. In der Zeit lernten wir sehr viel über Bolivien, das Zusammenleben in einer WG (ich habe endlich meine Mitbewohnerin kennengelernt, sie ist echt sympathisch) und bekamen detailliertere Informationen zu unseren Einsatzstellen. Außerdem gab es sehr interessante Diskussionen und Denkanstöße im Bezug auf Traditionen, (fremde) Kulturen, Rassismus, die globale Stellung der westlichen Welt und Vorurteile, aber unterbrachen auch immer wieder die Einheiten für kleine Spielchen, die den Gruppenzusammenhalt stärken sollten. Zudem waren externe Referenten eingeladen worden, die uns die Führungsstruktur des DRK näherbrachten, uns erklärten, wie man Erste-Hilfe ohne Hilfsmaterialien leistet oder Workshops speziell für unsere Einsatzstellen anboten (medizinische Grundlagen bei mir für die Klinik). Auch zwei ehemalige Freiwillige waren für ein paar Tage da, die uns hilfreiche Tipps für die Packliste und sonstige Vorbereitungen gaben, Bilder von ihrem Jahr zeigten, uns traditionelle Tänze beibrachten, mit uns gemeinsam einen kleinen 'Dokumentarfilm' über Bolivien drehten und auch sonst mit sehr viel Geduld alle Fragen beantworteten - einfach super! Natürlich lernten wir auch unseren Ansprechpartner Max Steiner kennen, der uns in Bolivien am Flughafen abholt und auch sonst immer vor Ort zur Stelle sein wird, falls Not an den Mann gerät. Wichtig zu erwähnen ist, dass wir sogar eine ebenfalls sehr liebe pädagogische Beraterin haben, die uns bei zu starkem Heimweh oder Abbruchgedanken per Email immer zur Verfügung steht und hilft, bei sonstigen Problemen Lösungen zu finden. Mir persönlich gefiel total, dass wir am Ende einen Brief an uns selber schreiben sollten, mit Erwartungen, Wünschen, Ängsten und so weiter, die wir für das Jahr, aber auch die Zukunft haben. Wir bekommen ihn an unserem Nachbereitungsseminar im August 2015 zurück - mal sehen, an was ich mich dann überhaupt noch erinnern kann und was sich davon als wahr herausstellen wird (die Befürchtung über die kalten Duschen hat sich übrigens als unbegründet herausgestellt, zumindest in La Paz!) :)

Ansonsten kann ich nur sagen, dass das Vorbereitungsseminar nur Vorfreude hervorgerufen hat und ich es kaum erwarten kann, bis es losgeht!

Abiball & Abschiede

Fünf Tage nach meiner Rückkehr vom Seminar war mein Abiball mit der Zeugnisübergabe und am Tag danach das Abschiedsfest für meine Freunde. Ein langes Wochenende mit vielen schönen Erinnerungen, dich ich mit nach Bolivien nehme, und zwar nicht nur gedanklich :D Tausend Dank für die tollen Geschenke! An dieser Stelle möchte ich übrigens anmerken, dass ich die besten Freunde der Welt habe - auch wenn das vermutlich jeder von sich behauptet, aber bei mir stimmt's wirklich!!!

  Bisschen verschwommen :/

Die restliche Woche habe ich noch die letzten notwendigen Sachen gekauft, mit dem Packen angefangen, endlich meine Unibewerbungen abgeschickt, mein Praktikum vollendet und die übrige Zeit zusammen mit Familie und Freunden verbracht, die muss man ja schließlich ausnutzen. Komisch, aber es stimmt tatsächlich, dass man Dinge erst wirklich extrem schätzen lernt, wenn man weiß, dass die Zeit abläuft.

Zum Schluss ein schönes Zitat, das ich mit auf den Weg bekommen habe:

 

"Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen!"

-

Johann Wolfgang von Goethe

 

Vielleicht werd' ich einfach Weltenbummler und schmeiß' die Uni - aber dann sperrt mich meine Mutter endgültig im Keller ein, das Risiko will ich nicht eingehen :D

Hasta la vista!

 

Unterschiedliche Reaktionen

11Juni2014

Es ist immer wieder amüsant, die verschiedenen Reaktionen bei Leuten zu beobachten, wenn ich von meinem Auslandsjahr berichte. Das reicht von:

"Oooooooh, du gehst nach Olivien?! Das ist aber schööön."

(Gut, die Dame war schon etwas betagter...)

bis zu

"Bolivien? Das liegt doch da im Osten, oder? Wenn man Richtung Tschechien fliegt..."

...jaaaaaa. Fast. Flieg' noch ein bisschen weiter Richtung Osten, bis du im Westen wieder rauskommst. Dann stimmt's in etwa.

 

Insgesamt sind es aber überwiegend positive Resonanzen, die ich erhalte, was mich natürlich sehr freut. Dennoch kommt man doch etwas ins Grübeln, wenn plötzlich Adjektive wie mutig oder stark fallen.

Wikipedia, dein Freund und Helfer, definiert Mut folgendermaßen:

"Mut, auch Wagemut oder Beherztheit, bedeutet, dass man sich traut und fähig ist, etwas zu wagen, das heißt, sich in eine gefahrenhaltige, mit Unsicherheiten verbundene Situation zu begeben. Diese kann eine aktive Herausforderung darstellen wie der Sprung von einem Fünfmeterturm ins Wasser oder die Bereitschaft zu einer schwierigen beruflichen Prüfung. Sie kann aber auch in der Verweigerung einer unzumutbaren oder schändlichen Tat bestehen wie einer Ablehnung des Drogenkonsums oder einer Sachbeschädigung unter dem Gruppenzwang einer Mutprobe."

Gut, da ich sowieso Meisterin im Seine-Fähigkeiten-Anzweifeln bin und das Zutrauen außer Frage steht (schließlich ist es nach der verbindlichen Anmeldung sowieso zu spät, sich darüber den Kopf zu zerbrechen), kann man die Analyse des ersten Satzteils getrost außer Acht lassen, also gehen wir zum nächsten Teil über:

"...[Es] zu wagen [...], sich in eine gefahrenhaltige, mit Unsicherheiten verbundene Situation zu begeben."

Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass Bolivien eine soviel höhere Wahrscheinlichkeit an risikoreichen Situationen aufweist, damit man sie schon reinen Gewissens als 'gefahrenhaltig' bezeichnen könnte (wenn man die Verkehrsverhältnisse und Zustand diverser Straßen einmal unter den Tisch fallen lässt). Selbstverständlich ist dort aufgrund der armen Verhältnisse die Kriminalität deutlich ausgeprägter, aber wenn man mit einer Portion gesundem Menschenverstand ausgestattet ist, lässt man halt die Rolexuhr zu Hause und muss das Smartphone auch nicht unbedingt so in die Hosentasche der Designer-Jeans quetschen, dass der 5 Zoll-Bildschirm noch zur Hälfte sichtbar ist. Solange man einigermaßen Atención aufbietet, nicht gerade nachts alleine in El Alto unterwegs ist und zusätzlich noch die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts befolgt, kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass es sehr viel gefährlicher als in einem hier nicht näher genannten Berliner Stadtteil sein sollte. Aber wie dem auch sei, ich kann das alles erst vor Ort sicher beurteilen. Seid gespannt!

Was die Unsicherheiten angeht: Nun gut, ich kenne weder die Leute, die mich vor Ort erwarten werden, noch meinen zukünftigen Arbeitsplatz, aber das war's dann auch schon im Großen und Ganzen. Wo liegt da der Unterschied zu einem Umzug in eine neue Stadt, um zu studieren oder zu arbeiten? Vielleicht in der Sprachbarriere, aber die wird spätestens durch den Sprachkurs langsam aber sicher abgebaut. Durch das Vorbereitungsseminar erhalte ich alle wichtigen Informationen, ich habe eine gesicherte Unterkunft, ein regelmäßiges Taschengeld, für auftretende Fragen Ansprechpartner vor Ort, neue Medien garantieren den kontinuierlichen Kontakt nach Hause und schlussendlich habe ich die Sicherheit, dass ich spätestens nach einem Jahr (vorerst) wieder in mein behütetes Nest zurückkehren werde. So wird der Unsicherheit doch feste Grenzen gesetzt und das Wörtchen mutig wirkt plötzlich seltsam deplatziert.

Für mich sind die Abenteurer mutig, die ohne den von einer Organisation gewährleisteten Rückhalt eine Work&Travel-Reise auf gut Glück unternehmen. Mutig ist eine Familie, die aus ihrem Heimatland flüchtet, ohne zu wissen, wie sie die nächsten Monate/Jahre leben wird oder ob sie die Zurückgebliebenen je wieder zu Gesicht bekommt. Mutig sind die Personen, die ihre Persönlichkeit, ihre Gefühle, ihre Fehler vollständig offenbaren, ohne Angst vor den Reaktionen zu haben. Mutig sind Feuerwehrmänner/-frauen, die zurück in das brennende Haus stürmen, um das unglücklicherweise vergessene, schreiende Kind am Fenster im 4. Stock zu retten (alternativ können auch unschuldige Jungfrauen in Sicherheit gebracht werden, wem das Klischee nicht heftig genug ist). Mutig sind risikofreudige Aktionäre, waghalsige Sportler und auf gewisse Art und Weise auch Plagiat-Doktorarbeiten. Um es auf den Punkt zu bringen: Mutig sind diejenigen, die sich bewusst in eine Situation begeben, welche negative Konsequenzen nach sich ziehen könnte.

Aber das, hoffe ich zumindest, wird den kleinsten Teil der neuen Erfahrungen einnehmen. Heimweh, kaltes Wasser zum Duschen und Dr. House - Entzug, vielleicht (jaaaaaaahaaaaa, ich weiß, verwöhntes-Wohlstandskind-Probleme, aber trotzdem!). Ich gehe mit der Erwartungshaltung nach Bolivien, dass ich auf sowohl negative als auch positive, aber nichtsdestotrotz prägende Ereignisse stoßen werde, die mir in Zukunft in der ein oder anderen Weise helfen werden: Eine Sprache fließend sprechen und neue Kulturen verstehen lernen, Selbstständigkeit, Ansätze von Welterfahrung, Vorbereitung auf das (hoffentlich direkt darauffolgende) Studium, etc.

In diesem Sinne.

Hasta luego, amigos!

 

Noch 55 Tage...

27Mai2014

In der Zwischenzeit ist ein Großteil der letzten wichtigen Termine wie der TMS überstanden, nur noch das mündliche Abi am kommenden Montag/Dienstag ist zu absolvieren. Dann kommt anschließend die Eröffentlichung des Ergebnisses, der Abiball mit Zeugnisvergabe, am Tag danach die Abschiedsparty und 10 Tage später der Abflug - alles sehr kompakt auf einmal, aber es ist ein wunderschönes Gefühl von Freiheit, die immer deutlicher zu spüren ist.

Mittlerweile habe ich auch endlich nähere Informationen von meiner Organisation erhalten, wie die Einladung zum Vorbereitungsseminar in Wiesbaden oder die Kontaktdaten der anderen Voluntäre, die mit nach Bolivien reisen. Mal sehen, vielleicht sende ich meiner Mitreisenden, die ebenfalls in La Paz stationiert sein wird, demnächst eine E-mail... Auch die Adressen unserer Vorgänger sollten wir in den nächsten Tagen erhalten - da bin ich schon total gespannt! Ich kann es kaum erwarten, endlich zu wissen, wie meine Stelle im Krankenhaus ungefähr aussehen wird und was genau meine Aufgaben sein werden. Außerdem steht morgen der erste Impftermin an : Gelbfieber, Tollwut, Hepatitis, Denguefieber - Krankheiten, die meinem Arzt zufolge dort mit erhöhter Wahrscheinlichkeit auftreten und denen man dann doch lieber vorbeugt :)

Zudem hatte ich in den letzten Tagen etwas Kontakt per E-Mail mit Leuten, die man um fünf Ecken kennt und die alle auch schon einmal in Bolivien waren. Das hat mir zumindest meine Angst vor eiskalten Duschen genommen und mir die Zeit eingeräumt, mich mental auf einige ungewöhnliche Gegebenheiten vorzubereiten. Angeblich kommt es doch hin und wieder vor, dass man auf offener Straße von Kindern angehalten und angefasst wird, weil sie noch nie jemand hellhäutigen bzw. blonden zu Gesicht bekommen haben - allerdings muss man aufpassen, dass man dabei nicht bestohlen wird. So ganz kann ich das mir das noch nicht vorstellen, schließlich sind in La Paz auch genügend europäische Touristen zu Besuch, aber gut, was schlussendlich davon tatsächlich eintreten wird, kann ich erst in ein paar Monaten berichten. Auf jeden Fall waren die Emails sehr enthusiastisch verfasst und haben mir noch mehr Vorfreude mit auf den Weg gegeben.

Ich muss aber gestehen, dass immer deutlicher wird, wie sehr ich meine Famile und vor allem meine Freunde vermissen werde. Aber Internet sei Dank bin ich ja nicht komplett isoliert und werde immer etwas von den Neuigkeiten hier mitbekommen...

 

Die Flugdaten stehen!

11April2014

Anlässlich der soeben erhaltenen Email meiner Freiwilligenorganisation, die mir den Abflugstermin für den 22. Juli 2014 mitteilte, habe ich mich entschlossen, endlich meinen Auslandsblog zu erstellen. Kaum zu glauben, dass ich in 101 Tagen im Flughafen in Frankfurt stehe und Deutschland für ein Jahr nicht mehr sehe!

Langsam bekomme ich das Gefühl, dass alle um mich herum viel mehr realisieren, was es bedeutet, ein Jahr abwesend zu sein. Ich selbst bin momentan ziemlich entspannt und freue mich nur auf die vielen neuen Erlebnisse, die auf mich zukommen werden.

Meine Mutter hingegen beginnt immer mehr am Rad zu drehen und plant offenbar nicht ganz so erfolgreich meine heimliche Entführung nach Bayern, das ihrer Ansicht nach schon weit genug entfernt ist, während mein Vater eine Art Bolivienschrein in unserem freien Zimmer errichtet und wie wild sämtliche Zeitungsartikel, Magazine, Bilder und Lebensmittel sammelt, die in jeglichem Zusammenhang mit Südamerika stehen könnten und irgendwie bolivianisch aussehen. Selbst die bolivianische Flagge hängt schon im Garten.

Vielleicht liegt meine gegenwärtige ruhige Gemütsverfassung auch einfach nur daran, dass ich zur Zeit viel zu viele andere Dinge im Kopf habe, die erledigt werden müssen: Eine Jobsuche für meine restliche Zeit hier, der immer näher rückende TMS oder die letzten schulischen Termine wie mündliches Abi, Kommunikationsprüfung und Abiball. Außerdem stehen zwischendurch noch Impfungen für Südamerika auf dem Plan und natürlich die Studienbewerbungen, die ich vor meiner Abreise abschicken sollte.

Wie auch immer, ich werde die nächsten Wochen bis zur Abreise (nur noch 14) hin und wieder über meinen aktuellen Zustand berichten - oder auch nicht, falls die geplante Entführung doch gelingen sollte