Der lang versprochene Blogeintrag - Wochenmarkt!

07Dez2014

So, meine lieben Leser, nachdem gestern sowohl gutes Wetter, ausreichend Zeit, als auch die nötige Motivation zu rechter Zeit an rechtem Ort aufeinandertrafen, ist es endlich vollbracht: Der lang versprochene Blogeintrag über den Wochenmarkt, von welchem ich bereits des Öfteren geschwärmt hatte, findet seinen Weg zu euch!

Lasst uns gemeinsam eine virtuelle, auf Bildern festgehaltene Reise ans andere Ende der Welt auf den 'Mercado Rodriguez' in der höchsten Großstadt der Welt unternehmen :)

 

Zunächst verlassen wir die kleine, gemütliche Wohnung, die Pia und ich momentan unser 'Zuhause' nennen, biegen rechts um die Ecke und haben zuerst einmal einen kleinen Anstieg vor uns:

Calle Santa Cruz

Es geht vorbei am berühmt-berüchtigen Hexenmarkt, dem 'Mercado De Las Brujas', auf dem man in den kleinen, dicht aneinandergedrängten Hexenlädchen alles erstehen kann, was das Magierherz begehrt.

Zauberpülverchen, die rapides Abnehmen versprechen; Liebesstaub, welchen man dem heimlich verehrten Schwarm insgeheim in den Nacken streuen soll, (für die ganz schnellen: es gibt auch Sexpulver, das man irgendwie in die Unterwäsche des Angebeteten zu schmuggeln hat); Pulver gegen den bösen Blick - es gibt nichts, was es nicht gibt!

Natürlich dürfen auch die getrockneten Lamaföten nicht fehlen, die bei Neubauten in das Fundament eingemauert werden müssen, um Unglück abzuwenden und die 'Pachamama', die Mutter Erde, zu beruhigen. (Auf einer Stadtführung berichteten die Guides sogar von angeblichen Großbauten, welche auch etwas immensere Opfer forderten: Menschen. Das sei aber zum Glück schon seit einigen Jahren nicht mehr vorgekommen. So viel dazu.)

Gruselig? :D

Dass vieles aus eigener Produktion stammt, lässt sich an den unterschiedlichen Kräutern und Blüten erkennen, die vor einigen Läden in der Sonne zum Trocknen ausgelegt sind.

Nachdem wir drei 'cuadras' (Häuserblocks) passiert haben, gönnen wir uns eine kleine Atempause von dem steilen Anstieg und biegen anschließend links ab, laufen eine 'cuadra' weiter und nehmen die nächste Abzweigung nach rechts. Schließlich kommen wir an der 'Baumarktstraße' vorbei...

... ziehen an verwitterten Fassaden vorüber, deren schöner Kolonialstil von einst kaum noch zu erkennen ist, ...

... und gelangen an unsere erste Station: Der Apfelstand.

'One apple a day keeps the doctor away' -Oma- ;)

Die Wochenration von 10 Äpfeln zum Preis von 10 Bolivianos (ca. 1,20€) wird in den Rucksack gepackt (bitte ohne 'Bolsa', der Plastiktütenverbrauch ist hier sowieso schon abnorm erhöht) und das nächste Ziel etwa 100m weiter wird angepeilt: Mangos!

Mangooooooooos <3

Und schon haben wir den Eingang des 'Mercado Rodriguez' erreicht:

Auf einer riesigen Fläche wird hier so ziemlich alles feilgeboten, was man sich nur vorstellen kann; von gebrauchter und neuer Kleidung, über Kochutensilien, Wasch- und Putzmitteln sowie frischer Nahrungsgüter aller Art, bis zu Toilettenpapier, Schmuck und Spielzeug.

Gemeinsam mit vielen anderen kauflustigen Besuchern zwängen wir uns an den unzähligen Bekleidungsständen vorbei, um die freundlich schielende Bananenfrau anzusteuern, welche uns mittlerweile kennt und nett begrüßt. Hier gibt es erfahrungsgemäß einfach die besten und größten Bananen zu kaufen :)

Platanos!

Noch steigen uns die angenehm sanften Düfte von frischem Obst in die Nase, doch sobald wir die Straße wenige Meter hinunterlaufen, nähern wir uns dem Fischsektor und die Gerüche werden etwas schwerer und aufdringlicher.

Dass hier auch Fliegen auf den Tierchen aus dem Titicacasee herumkrabbeln, steigert nicht unbedingt den Gemütlichkeitsfaktor an diesen Ständen und der Schritt beschleunigt sich unwillkürlich.

Noch ein wenig weiter und nun stranden wir in dem Areal des Marktes, das sämtliche (Hobby-) Köche sich im Paradies wähnen lässt: Gewaltige Mengen an frischem Obst und Gemüse finden sich auf kleinstem Raum zusammen, dazwischen stapeln sich Säcke von unterschiedlichsten Samen, diversen Getreidearten und aromatischen Gewürzen nebst Büscheln von saftig grünen Kräutern.

Tuntas - speziell getrocknete Kartoffeln

Gelegentlich fühlt man sich auch leicht in mittelalterliche Zeiten zurückversetzt, wenn man von den werbenden Rufen der Marktfrauen eingehüllt die wenig freien Fleckchen Erde mit Stroh bedeckt erspäht.

Sodann haben wir uns für die nächste Woche mit ausreichend Gemüse und Obst (Papaya!) eingedeckt, alles im Rucksack verstaut, der in der Zwischenzeit gut und gerne an die 8 Kilo Lebensmittel beinhaltet, und quetschen uns zu einer abzweigenden Seitenstraße hindurch, welche zum Ausgang des Marktes führt. Im Vorbeigehen werden noch ein runder Käse und Eier mitgenommen, die selbstverständlich in Plastiktüten (was sonst?) verpackt an den Kunden überreicht werden.

 Die lockenden Aufrufe der restlichen Verkäufer ignorierend treffen wir endlich auf die weniger bevölkerte Parallelstraße, wo nur noch am Rand verschiedene Dinge angepriesen werden.

Auf dem Rückweg zu unserem Domizil kommen wir nun in der typischen Touristenecke vorbei. Hier wird jeglicher Tand und Firlefanz angeboten, den man sich als Reisender nur wünschen könnte, wobei Lamamotive und knallige Farben natürlich das vorherrschende Thema darstellen.

An der Straßenecke, die an unser Haus grenzt, befindet sich noch einer der überall in der Stadt verteilten Mini-Tiendas, die alles bieten, um den süßen Zahn oder den schnellen Hunger zu befriedigen: Große und kleine Packungen Kekse, Schokolade, Soft-Drinks, Cracker, Chips, Popcorn mit und ohne Schokoladenüberzug, Kaugummi, Nüsschen etc.

Erleichtert erreichen wir die Wohnung und können den schweren Rucksack endlich abladen. Dabei stellen wir allerdings fest, dass wir Brötchen für den kommenden Morgen vergessen haben. Also noch einmal flugs aus dem Hauseingang herausgetreten und dieses Mal nach links gewandt: Schon haben wir den Mercado Lanza im Blick, in dem wir immer unsere Milchprodukte wie Frischkäse, Milch und Butter kaufen.

Mercado Lanza

Unmittelbar an der Ecke gegenüber befinden sich zu fast jeder Tageszeit die Brötchenfrauen, von denen wir nun unsere Backwaren erstehen.

Und damit haben wir unsere Einkaufodyssee vollbracht!

Ratet mal, was man nach so einer ausgiebigen Shoppingtour hat?!

Richtig :)

Hunger! ^^

PS: Im Gegensatz zu Deutschland sind hier die Supermärkte um einiges teurer als die ganzen Märkte und kleinen Tante-Emma-Läden. Diese deutsche Denkweise abzulegen hat allerdings erst einmal einige Zeit gedauert ^^