Die Sonneninsel / Heute ist schon 1/4 vorbei :O

22Okt2014

Vergangenes Wochenende führten Pia und ich unseren bis ins kleinste Detail geplanten Wochenendtrip zur 'Isla del Sol' im Titicacasee durch. Die Vorbereitung sah ungefähr so aus:

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Montag

Pia: Hey Julia, Lust am Wochenende zur Insel zu fahren?

Julia: Ja, schon, lass mal machen...

Freitag

Pia: Das mit dem Ausflug steht noch, oder?

Julia: Ja klar, natürlich. Geh'n wir morgen so um 8 los? Dann können wir gegen 9 abfahren... Moment mal, wo genau fahren die Busse überhaupt ab?

Pia: Am Friedhof.

Julia: Okay, passt.

 

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Nachdem das geklärt war, ging es Samstagvormittag tatsächlich im Minibus Richtung Copacabana los - natürlich nicht um 9, sondern erst um 11. Anmerkung! Wer auch immer hier in Bolivien einen Ausflug vorhat - plant UNBEDINGT, ich wiederhole: UNBEDINGT den Verkehr ein. Soll heißen: Was zu Fuß ungefähr eine halbe Stunde dauert, braucht mit dem öffentlichen Nahverkehr zu Stoßzeiten mindestens doppelt so lang. Dazu kommt die obligatorisch bolivianische Verspätung von >30 Minuten und schon ist der deutsche Masterplan komplett über den Haufen geworfen.

Nichtsdestotrotz sichteten wir nach etwa dreieinhalb Stunden Fahrt die ersten Schiffe auf dem azulblauen Wasser und wähnten uns schon am Ziel, als der Minibus an einem Hafen zu stehen kam. Aber falsch gedacht, stattdessen wurde die gesamte Besatzung einmal über eine 'Seeenge' verfrachtet. Also, Leute in ein kleines Personenboot, Minibus auf ein Autoschiff, rüber auf die andere Seite und es ging weiter, bis wir endlich in Copacabana ankamen.

 

 

Dort stellten wir fest, dass wir leider die letzte der zwei täglichen Fähren verpasst hatten, die auf die Insel übersetzen. Glücklicherweise mangelte es nicht an Angeboten von privaten Bootsbesitzern und wir fanden recht schnell eine Möglichkeit auf die Isla del Sol zu gelangen. Laut dem Eigentümer sollten wir gegen 16 Uhr absetzen. Kurz und knapp: Aus 16.00 Uhr wurde 16.30 Uhr, aus 16.30 Uhr wurde ein 'Es geht gleich los, ich rufe euch dann an, gebt mir mal noch eure Nummer!' und aus dem 'Es geht gleich los' wurde schlussendlich ein anderes Boot und 18.00 Uhr, sodass wir um 18.15 Uhr zusammen mit dem einäugigen Kapitän ablegten.

An Entschädigungen für die lange Wartezeit mangelte es uns aber nicht: Zunächst hatten wir, also Pia, Diego (ein Kolumbianer, den wir unterwegs kennengelernt hatten und der uns das Wochenende über begleitete) und ich, uns auf dem Dach eines Cafés am Seeufer einen Fruchtshake (Papaya!) gegönnt.

Definitv noch besser war aber der Sonnenuntergang, dem wir auf dem Dach des Schiffes entgegenfuhren, bis wir in der Dämmerung den Saum der Insel erreichten.

Wer auch immer die Isla del Sol besucht, wird garantiert von diesem von Autos unberührten, naturbelassenen, ruhigen Ort schwärmen, der das reinste Paradies für wanderbegeisterte Sportler darstellt. Auch wir konnten sofort bestätigen, dass das stille Fleckchen Eden im Titicacasee wahrhaftig atemberaubend ist - was aber zunächst weniger an der Aussicht (mittlerweile war es ziemlich dunkel), als an dem steilen Aufstieg zum Süddorf lag, den wir mitsamt unserem Gepäck erst einmal bewältigen mussten. Der Titicacasee ist etwa 15,5 mal so groß wie der Bodensee und liegt auf einer Höhe von 3810m über dem Meeresspiegel, was noch einmal etwa 400m mehr sind, als wir mittlerweile aus La Paz gewöhnt sind - und hier merkt man sofort jeden minimalen Höhenunterschied an der Kondition. Das fehlende Licht erschwerte uns leider ebenfalls die einstündige Wanderung zur Unterkunft. Doch wie vieles im Leben hatte auch diese Tatsache die zwei Seiten einer Münze. Die polierte Seite sieht in diesem Fall so aus:

Meine sehr geehrten Damen und Herren, präsentiere ich Ihnen unter einem riesigen Applaus:

Die Milchstraße!

(Das Gebäude war natürlich nicht so beleuchtet, der Eindruck entsteht wegen der langen Belichtungszeit)

Der Sternenhimmel war wirklich der absolute Wahnsinn, so etwas habe ich noch nie zuvor in meinem Leben gesehen. Die Bilder können leider nur einen winzigen Ausschnitt des Firmaments darstellen und kommen auch nicht im geringsten an die Eindrücklichkeit des Erlebnisses heran. Trotzdem hoffe ich, dass ihr es euch ein wenig vorstellen könnt :)

Jedenfalls fielen wir in dieser Nacht nach einem schnellen Abendessen (Trucha, Fisch aus dem Titicacasee) sofort ins Bett des Hostels. Am Rande: In der Unterkunft traf ich zufällig eine Frau aus Geislingen (ihren Wohnort erfuhr ich auf direkte Nachfrage, das Schwäbische ist einfach zu verräterisch Hach, war das schön mal wieder etwas aus der Heimat zu hören!)

Am nächsten Morgen machten wir uns unter einem zunächst bewölkten Himmel zur Wanderung auf die Nordseite der Insel fertig, auf welcher man alte Ruinen der Inkas besichtigen kann.

Ach ja, wer sich gefragt hat, woher der Name 'Titicacasee' stammt (Ruhe! Ihr könnt euch euer pubertäres Gelächter sparen!): Laut einem Tourguide bedeutet 'titi' in Aymara 'Puma' und 'carca' steht für 'Felsen' oder 'Stein'. Nun befindet sich auf der Südseite der Insel in direkter Nähe zu den Ruinen eine recht große, von den Inkas geheiligte Felsformation, in der man mit viel Fantasie angeblich einen Puma erkennen soll. Meine Fantasie hat dafür bedauerlicherweise nicht ausgereicht, aber immerhin die der Inkas, sodass der Stein namensgebend für das Gewässer war.

Nach sechs Stunden anstrengendem Wandern unter der in der Zwischenzeit herausgekommenen und nun sengenden Sonne, waren wir sehr erleichtert, endlich wieder an der Unterkunft anzugelangen. Doch lange Pause machen durften wir uns nicht erlauben, da wir noch ungefähr 45 Minuten hatten, um die letzte Fähre zu erreichen, die von der Insel zum Festland fuhr. Also Rucksack aus dem Zimmer geholt, aufgeschnallt und die letzten, qualvollen (Kilo-)Meter hinunter zur Anlegestelle geschleppt. Auf ungefähr zwei Dritteln der Wegstrecke mussten wir uns an einer entgegenkommenden Lama-Schaf-Esel-Herde vorbeizwängen, die von einer traditionell gekleideten Frau begleitet wurde. Aus mir unerfindlichen Gründen (vermutlich um sicherzugehen, aber eigentlich gibt es nur einen einzigen Pfad) fragte ich diese zufällig, ob dies auch der richtige Weg zum Hafen sei und bekam ein freundliches Nicken zur Antwort. Direkt darauf erkundigte sie sich aber noch, wo wir denn hinwollten und rettete uns damit vor einer kleinen Katastrophe (oder zumindest vor einer weiteren, unfreiwiligen Nacht auf der Insel). Wie sich nämlich herausstellte, gibt es auf der Südseite der Insel zwei Häfen: Einen am Fuß des rechten Hangs, an dem wir in der vorigen Nacht angelegt hatten, und einen am linken. Blöd, dass uns niemand darauf hingewiesen hatte, dass es 1.) zwei Ankerplätze gibt und 2.) nur von der linken Seite aus die Schiffe nach Copacabana übersetzen. Wir drei also wieder ziemlich abgekämpft die rechte Böschung bergauf gehetzt, vorbei an der Lama-Schaf-Esel-Herde gequetscht, kaputt oben angekommen und mit der Zeit im Nacken wieder die linke Seite hinuntergestolpert. Ich weiß nicht, wie Pia es geschafft hatte die restliche Energie herbeizuzaubern, aber sie vollbrachte es tatsächlich noch vorauszurennen und die gerade (gelobt sei die 'Hora boliviana'!) leicht verspätend ablegende Fähre aufzuhalten, sodass Diego und ich etwa 5 Minuten später fix und fertig auf das kleine Schiff mit den wartenden Fahrgästen aufspringen konnten (wobei es eher ein 'hinplumpsen lassen' war). 

Die Heimreise von Copacabana nach La Paz verlief überraschenderweise weder mit unwillkommenen Hindernissen noch mit sonstigen Verzögerungen, sodass wir die Nacht erfreulicherweise in unserem eigenen Bett verbringen konnten.

Also: Schlaft gut in eurem eigenen Bett und bis zum nächsten Eintrag