Résumé: Weihnachten & Silvester #2

12Jan2015

Nachdem Anso und ich vom Titicacasee zurückgekehrt waren, beschlossen wir kurzfristig den 24. Dezember recht unkonventionell zu verbringen: Auf der Death Road - mit dem Fahrrad.

Die Death Road ist eine alte, ungeteerte, ziemlich kurvige Straße, die vom Tiefland nach La Paz führt und einst (eigentlich immer noch) den Titel 'gefährlichste Straße der Welt' trug. Früher fanden dort viele Fahrer den Tod, da der Weg ziemlich schmal ist und teilweise nicht genügend Platz für zwei passierende Fahrzeuge bietet, sodass man leicht den Abhang, der nur an extrem wenigen Stellen mit Leitplanken gesichert ist, hinunterstürzen kann. Heute besteht die offizielle Route aus einer neuen, 15 Km längeren Umgehungsstraße mit besserer Straßenführung und Sicherheitsvorkehrungen und somit ist die ursprüngliche Death Road heute Mountainbikern und einigen abenteuerlustigen Autofahrern überlassen.

Por suerte gibt es hier in La Paz so viele Tourenanbieter wie Sand am Meer und wir hatten unerwarteterweise keinerlei Probleme eine Agentur zu finden, die an dem gewünschten Datum zwei Plätze für uns bot.

Morgens um 06.30 Uhr mussten wir uns im Büro des Anbieters einfinden, wo wir mit der nötigen Ausrüstung ausgestattet und anschließend zum Ausgangspunkt gekarrt wurden.

Ausgangspunkt am altbekannten Cumbre, der Pass auf ca. 5000m Höhe

Das Fahrradfahren an sich ist überhaupt nicht anstrengend, da es ca. 95 % der 65 Km langen Strecke nur bergab geht, insgesamt über 3000 Höhenmeter werden hier überwunden. Trotzdem darf man die Tour nicht unterschätzen, da auf der holprigen Schotterpiste ein wenig Fahrtechnik von Nöten ist und man ständig höchst konzentriert auf die Straße achten muss, um nicht aus Versehen einen Steilhang hinunterzufallen (Was leicht passieren kann: Als Freunde einige Tage vor uns die Death Road mit dem gleichen Anbieter gemacht hatten, stürzte ein Mitglied ihrer Gruppe 15m in die Tiefe. Der gute Mann kam zum Glück glimpflich mit einem gebrochenen Arm und einer leichten Gehirnerschütterung davon.). Der spektakulärste Teil ist aber tatsächlich die unfassbar umwerfende (bitte nicht wörtlich nehmen, wäre auf dem Fahrrad auch zu gefährlich :D ) Natur: Innerhalb von 5 Stunden durchfährt man fast sämtliche Vegetationszonen, die das Land zu bieten hat, und bekommt am eigenen Leib in - je nach Fahrweise variierend - rapider Geschwindigkeit mit, welchen Einfluss die Höhe auf das Klima macht. Die zu Beginn von Nebel verschleierten, leblosen, kargen und grauen Felswände werden Meter für Meter Richtung Tiefland grüner und bewachsener, während die Luftfeuchtigkeit proportional dazu steigt und die anfänglich schneidende Kälte Stück für Stück in ein schwül-warmes, tropisches Klima übergeht. Nachdem man Bäche durchquert, Wasserfälle unterquert, Schluchten überquert und Bergmassen in unvorstellbaren Dimensionen gesehen hat, kommt man schlussendlich nass, aber mit unvergesslichen Eindrücken in den Yungas an, die vor blühendem Leben fast zu platzen scheinen. Möglicherweise klinge ich im Moment wie ein über alle Maßen euphorischer, höchstmotivierter Autor eines Reiseführers, dessen Gehalt wahrscheinlich von der abartig häufigen Verwendung von positiv konnotierten und möglichst im Superlativ formulierten Adjektiven abhängt, aber meine Begeisterung ist ungespielt! Leider habe ich meine Kamera nicht mitgenommen, deswegen müsst ihr mir dieses Mal eben ohne bildlichen Beweis glauben :)

Unten im Tal klinkten Anso und ich uns von der Gruppe aus und nahmen einen zufällig vorbeifahrenden Minibus nach Coroico, ein kleines Touristendorf in den Yungas. Falls ihr euch fragen solltet, was denn die Yungas sind: Die Yungas ist eine Region in den Anden, die den Übergang vom Hochland zum Regenwald bildet und somit eine Art Vorstufe des Dschungels darstellt.

An diesem Abend suchten wir uns schnell eine günstige Unterkunft und verbrachten die Zeit bis zum Schlafengehen in einem winzigen, mexikanischen Restaurant, wo wir noch eine deutsche Alleinreisende aus Bayern trafen. Um ehrlich zu sein, war der Heiligabend ohne Familie doch ein wenig trist, aber wenigstens hatte ich mit Anso ein Stück Heimat bei mir. Natürlich haben auch die tropischen Temperaturen und die unbekannte Landschaft geholfen die aufkeimende Melancholie zu vertreiben, da in solch einer Umgebung partout keine Weihnachtsgefühle an die Oberfläche kommen können.

Am nächsten Morgen wanderten Anso und ich noch talwärts zu einer Straße, von der wir aus wieder nach La Paz gelangen wollten. Immerhin hatte Anso ihre kleine Digitalkamera dabei und konnte ein paar Impressionen festhalten, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Leider sind es nicht so viele, aber es kann ja nicht jeder so knipswütig wie ich sein :D

Übrigens (auf die immer wieder gestellte Frage, wie hier in Bolivien der 24. genau abläuft): Weihnachten ist nicht viel anders als in Deutschland. Viel Essen, Kirche, Blingbling-Weihnachtsschmuck, Plastiktanne und Geschenke, die allerdings erst um 24 Uhr geöffnet werden.

Was vor und an Silvester passiert ist, verrate ich euch im nächsten Eintrag. ¡Hasta la próxima! :)